Im kalifornischen Silicon Valley erblicken Woche für Woche ungezählte Startups das Licht der Welt. Auch das deutsche Startup Fair Observer ist dort mit Hilfe des German Silicon Valley Accelerators hingezogen. Im Gründerraum berichtet sein Gründer Fabian Neuen, warum es nicht schadet, über seine Geschäftsidee offen zu sprechen und welche Zuhörer wirklich gefährlich sind.

Deutschland ist das Land der Geheimnisgründer: Viele Startups behalten ihre Geschäftsideen für sich, solange es geht. Vielleicht aus Angst vor Copycats. Vielleicht, weil sie es nicht anders kennen. In Kalifornien ist das anders: Hier herrscht eine überraschende Offenheit. Ich kann nicht mehr zählen, wie viele verschiedene Geschäftsideen mir hier bereits gepitcht wurden – obwohl sie noch im Frühstadion waren. Undenkbar bei uns.

Unser Team: 13 Leute arbeiten in Sunnyvale und Daly City inzwischen für den Fair Observer.

Windige Berater? No, thank you.

Die Gründe liegen auf der Hand: Wer seine Geschäftsidee verrät, erhält unmittelbar Feedback. Er erfährt mehr über Erfolgschancen und Risiken und bekommt Antworten auf die Frage, wie neu und cool seine Idee ist. Entsprechend vergeht kein Tag, an dem nicht irgendwelche Networkingveranstaltungen zwischen San Francisco und San Jose stattfinden. Wir könnten überall präsentieren.

Um unsere Idee zu verbessern, auf den Punkt zu bringen und auf ihre Essenz zu reduzieren sind diese Events großartig. Nebenbei haben wir unsere Präsentationstechniken deutlich verbessert. Nur das Networking auf den Networkingevents hat einen Haken: Quacksalber. Typischerweise Berater, Anwälte oder nicht reüssierte Leute fortgeschrittenen Alters, die unerfahrenen Gründern Dienstleistungsverträge andienen wollen.

Ein kurioses Beispiel dafür war ein älterer Herr aus Singapur, der von uns erfahren und mich anschließend telefonisch kontaktiert hat: Er hätte beste Beziehungen in die südostasiatische Finanzierungsszene und eine Riesenerfahrung im Aufbau solcher Plattformen. Bevor er uns helfen würde, möchte er aber gerne das ganze Team kennenlernen. Stunden vergeudeter Treffen später war uns klar: das Wort „Frust“ war tief auf seiner Stirn eingebrannt, die versprochenen Kontakte waren nicht vorhanden; sein eigentliches Ziel war, seinen verzogenen Sohn bei uns unterzubringen. Vielen Dank.

Im Silicon Valley jagt ein Networking-Event das nächste – auch wenn sich manchmal die Zuhörer rar machen, wie hier auf der “NOAH Internet Conference” im Juni dieses Jahres.

Offenheit ist gut, Vertrauen besser

Bei aller Offenheit, die wir hier an den Tag legen: Ohne Vertrauen ist eine dauerhafte Zusammenarbeit nicht möglich. In der Kombination ist beides ein Erfolgsrezept: Mit der Offenheit über unsere Idee konnten wir die richtigen Partner für unseren Beirat finden – mit uneingeschränktem Vertrauen konnten wir sie an uns binden. So haben wir einen Beirat aufgebaut, von dem wir vor unserem Start nur träumen konnten: Joachim Bitterlich, der ehemalige sicherheispolitische Berater von Helmut Kohl, ist genauso dabei wie Jean-Dominique Giuliani, Präsident des französischen Think Tanks Fondation Robert Schuman, Professor Ulrich Hemel aus Regensburg und Wolfgang Ischinger, heute Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Nicht zu vergessen Bernd Schlötterer, Inhaber von PalatinMedia. Wenn wir sie zum Beiratstreffen von Fair Observer versammeln, dann bin ich echt aufgeregt.

Denn unsere Beiräte – genauso wie unser Mentor Dirk Lueth, der sich als Entrepreneur im Medienbereich einen Namen gemacht hat – haben einen randvollen Terminkalender. Sie haben nicht darauf gewartet, dass wir sie bei Fair Observer einbinden. Sie erwarten neben Offenheit unbedingte persönliche Integrität, Zuverlässigkeit und Leidenschaft von uns, denn wer sonst würde diese für unsere Unternehmung entwickeln, wenn nicht wir selbst? Wir mögen nicht immer alle unsere Meilensteine halten, aber eines ist sicher – wir werden niemals bei diesen persönlichen Werten Kompromisse eingehen.

Im German Silicon Valley Accelerator: Fabian Neuen (rechts) erklärt Mentor Dirk Lueth (links), wie es mit dem Fair Observer weitergeht

Wir werden häufig gefragt: Wie kommt man zu so einem hochkarätigen Beirat? Hätte man mir das vor zwei Jahren gesagt, wäre ich sprachlos gewesen und hätte es nicht für möglich gehalten, solche Persönlichkeiten an Bord (m)eines Startups zu bekommen.

Ich glaube nicht, dass es ein Patentrezept gibt. Was klar ist: diese Personen haben eigentlich keine Zeit und mehr als genug Angebote, sich in diversen Projekten und Initiativen einzubringen, als es ein Menschenleben erlauben und ermöglichen würde. Auch sind sie nicht durch Geld inzentiviert, das man ihnen als Startup vermutlich ohnehin nicht zahlen kann.

Was uns geholfen hat, war die richtige Kombination aus Vision, Leidenschaft und Umsetzung zu zeigen. Eine Vision, die diese Menschen bewegt. Und dazu gehört dann natürlich auch der Mumm, diese Persönlichkeiten anzusprechen. Diesen Erstkontakt haben wir vor allem schriftlich oder auf Konferenzen geknüpft, um anschließend das Projekt in einem ruhigen, persönlichen Rahmen vorzustellen. Mit zunehmendem Reifegrad fiel dies natürlich einfacher, logisch.

Fortsetzung folgt. Übrigens: Neben den Erfahrungsberichten hier führen wir ein englischsprachiges Tagebuch.

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