Unternehmen aller Größenklassen haben zunehmend Schwierigkeiten, IT-Fachkräfte an sich zu binden. Eine Studie zeigt nun, wie Softwareentwickler ticken.

Flache Hierarchien, flexible Arbeitszeiten und innovative Produkte: Im Ringen um IT-Spezialisten können Gründer mit einigen Argumenten punkten. Doch vor dem Fachkräftemangel sind auch Jungunternehmen nicht gefeit. Jedes zweite IT- und Internet-Start-up gab in einer Befragung des Digitalverbands Bitkom an, schon einmal eine Stelle nicht besetzt zu haben – weil sich kein passender Kandidat gefunden hat. Eine aktuelle Studie von Stack Overflow gibt neue Einblicke in die Welt der Softwareentwickler. Wie ticken die Programmierer und was wünschen sie sich von ihren Arbeitgebern? An der Umfrage beteiligt haben sich in Deutschland über 5.000 Nutzer der Plattform, über die sich Entwickler fachlich austauschen.

Demnach sind nur neun Prozent der befragten Programmierer aus Deutschland aktiv auf Jobsuche. 59 Prozent haben derzeit eine Stelle, sind aber offen für neue Angebote. Über klassische Stellenausschreibungen lassen sich die Wechselwilligen indes kaum erreichen: Die Mehrheit investiert maximal eine Stunde pro Woche, um sich nach neuen Jobs umzuschauen. Schon zu ihrer aktuellen Stelle fanden ein Viertel durch einen Freund, ein Familienmitglied oder einen ehemaligen Kollegen. Start-ups spielt das in die Hände: Laut Bitkom ist Mund-zu-Mund-Propaganda für sie das wichtigste Recruiting-Instrument.

Entwickler fühlen sich unterbezahlt

Bei der Bewertung einer Stelle ganz oben stehen aus Entwicklersicht fachliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie die Programmiersprachen und Technologien, mit denen gearbeitet wird. Überraschend: Bereits auf Platz folgt das Büro – für Start-ups, die oft großen Wert auf moderne Arbeitsplätze legen, ist das vorteilhaft. Problematischer wird es beim Gehalt und Zusatzleistungen – dem viertwichtigsten Kriterium der Entwickler. Um konkurrenzfähig zu sein, müssen die jungen Unternehmen ihrem Wunschkandidaten ein branchenübliches Gehalt bieten. Das Durchschnittsgehalt in Ostdeutschland (inklusive Berlin) liegt bei 49.200, in Norddeutschland bei 45.000 und im Süden der Bundesrepublik bei 50.000 Euro. Bei Start-ups liegen insbesondere die Einstiegsgehälter laut Bitkom deutlich darunter.

Neben der Region entscheidet der Spezialisierungsgrad darüber, wieviel Geld Entwickler erwarten: Experten für Machine Learning sind mit einem Jahresgehalt von knapp 55.000 Euro absolute Spitzenverdiener, während Designer mit 39.000 das Schlusslicht bilden. Unabhängig von der Spezialisierung dürften sich viele von einem Jobwechsel einen deutlichen Gehaltssprung erwarten. Denn zwei Drittel der von Stack Overflow Befragten fühlen sich aktuell unterbezahlt. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers sind außerdem Zusatzleistungen. In den Top drei finden sich hier die Anzahl der Urlaubstage, die wöchentliche Stundenzahl sowie die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.