Der German Silicon Valley Accelerator hat Fabian Neuen nach Sunnyvale in Kalifornien katapultiert. Im Gründerraum berichtet der Jungunternehmer von den Erfahrungen, die er dort beim Aufbau des Startups Fair Observer sammelt. Im zweiten Teil der Serie erklärt Neuen, was er und sein Mitgründer Atul Singh bei einem Treffen mit Facebook-Investor Peter Thiel gelernt haben und was die deutsche Gründerszene vom Silicon Valley unterscheidet

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Zugegeben, für deutsche Verhältnisse sind wir nicht unambitioniert. Es gab gerade in der Startphase viele Leute, die alleine unsere Idee schon unerhört fanden – eine neuartige Medienplattform, die umfassende Analysen bieten will. Als ob man damit heute Geld verdienen könnte! Aber davon sind wir überzeugt. Gepaart mit unseren Wachstumsambitionen überstieg unser Geschäftsmodell allerdings das Vorstellungsvermögen vieler. Eine ähnliche Reaktion beobachteten wir übrigens auch an der Ostküste der USA.

Kaum im Silicon Valley angekommen, wurden wir überrascht. Die Größe des Marktes wurde nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil – im allerersten Meeting wurden wir zurechtgewiesen, dass wir nicht groß genug denken. Faktor fünf bis zehn wäre doch sicher drin!

Man solle nicht den Fehler machen und die hiesigen Investoren unterschätzen oder als naiv abzutun. Das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn wir uns als Erstunternehmer nicht anmaßen können, das System durchschaut zu haben, ist die geballte Erfahrung der hier ansässigen Kapitalgeber offensichtlich. Der große Unterschied: sie trauen sich zu, „ihren“ Startups zu Weltmarktgröße zu verhelfen und sich nicht auf Kleinstnischen zu verlassen.

Groß denken: Facebook-Investor Peter Thiel hat es geschafft. Die Fair-Observer-Gründer Fabian Neuen und Atul Singh trafen ihn beim Launch-Event des German Silicon Valley Accelerator

Giganten schaffen statt Kleinstnischen besetzen

Peter Thiel, der legendäre Facebookinvestor, war bei unserem Launchevent dabei und betonte diesen Unterschied zwischen Deutschland und dem Silicon Valley: „Wer immer den Exit sucht in einem Bewertungsrahmen zwischen 10 und 80 Millionen Dollar, wird nie das richtige Ökosystem für globale Startups schaffen können“. Im Valley ist die Branche inzwischen soweit und widersteht der kurzfristigen monetären Versuchung, um stattdessen Giganten schaffen zu können. Nicht alle werden es, aber somit gibt es zumindest immer wieder neue Googles, Facebooks oder Groupons.

Natürlich: Peter Thiel hat leicht reden, er hat es bereits geschafft – kein Zweifel. Aber auch in unserem direkten Umfeld sehen wir den Hang zur Größe. Ein MIT-Freund von uns, Ted Blackman, wurde von einem namhaften Venture Capitalisten abgelehnt. Der hatte zwar keinen Zweifel daran, dass Ted’s Firma in Kürze von Google für 100 Millionen Dollar übernommen werden würde, aber dies war ihm offenbar schlicht zu wenig.

Als Deutsche mussten wir ob dieser Argumentation erst einmal schlucken…

Eine logische Folgefrage habe ich noch nicht beantwortet: Wie kommt es, dass sich die Valley-Investoren zutrauen, neue Weltmarktführer zu identifizieren und zu formen? Sie haben alles gesehen und kennen die Marktmechanismen genau. Die besten Talente der Welt kommen zu ihnen und kämpfen um ihre Gunst, Geschäftsmodelle in allen Formen und Farben werden ihnen unterbreitet. Mit diesem Wissen können sie hervorragende Prognosen treffen.

Im Silicon Valley gehen die Uhren anders: Blick ins Fair-Observer-Cubicle im Plug and Play Tech Center in Sunnyvale

Bei aller Schwärmerei möchte ich jedoch nicht behaupten, dass Valley-Investoren unfehlbar sind. Im Gegenteil: viele agieren wie Lemminge, nämlich in dem Bemühen, den nächsten großen Trend nicht zu verpassen. Das führt dazu, dass eine der größten amerikanischen Interneterfolgsgeschichten, der Musikdienst Pandora, beinahe nie durchfinanziert worden wäre. Der Legende nach hat erst der 81. Investor grünes Licht gegeben. Das Gesetz der großen Zahlen spielt ihnen jedoch letztlich in die Hände…

Wir sind gerade in den Endzügen, unsere Investorenunterlagen vorzubereiten. Über unsere eigenen Erfahrungen mit Valley-Investoren berichten wir an dieser Stelle in Kürze.

Übrigens: Neben den Erfahrungsberichten in der Wirtschaftswoche, führen wir ein englischsprachiges Tagebuch.

Fortsetzung folgt.

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