Das neue Fintech-Start-up Bezahlt.de bietet Freiberuflern und kleinen Unternehmen die Vorfinanzierung von Rechnungen an. Auch andere Start-ups haben das Factoring-Geschäft entdeckt.

Mit Kreditech hat Sebastian Diemer eines der ersten und bekanntesten deutschen Fintech-Unternehmen aufgebaut. Nach seinem Abgang vor einem Jahr hat er in andere Start-ups investiert – wie etwa WirkaufendeinenFlug. Doch vor allem arbeitete er seit einiger Zeit auch an einem eigenen neuen Fintech-Start-up. Nun ist der Dienst gestartet: Bezahlt.de heißt das neue Angebot.

Die Idee ist simpel: Das Start-up bietet Freiberuflern, Selbstständigen und kleinen Unternehmen die Vorfinanzierung von Rechnungen an. Statt teilweise wochenlang auf sein Geld zu warten, übernimmt Bezahlt.de die Forderungen und verspricht eine Auszahlung noch am gleichen Tag. Die Gebühren dafür beginnen bei 2,3 Prozent. „Sie werden bei maximal bei 3,3 Prozent pro Monat liegen“, sagt Diemer. „Bei einer Laufzeit von 90 Tagen.“ Dabei können sich Bestandskunden mit der Zeit Vertrauen erarbeiten. „Wenn wir sehen, dass es wenige Ausfälle gibt, sinken die Gebühren“, so Diemer.

Dieses so genannte Factoring können bislang vor allem große Unternehmen nutzen. „Der Factoring-Markt in Deutschland hat ein Volumen von 200 Milliarden Euro pro Jahr“, sagt Diemer, „verteilt sich aber nur auf 20 000 Kunden.“

Dabei sind es vor allem Selbständige, die oft dringender auf die Zahlungen erbrachter Leistungen angewiesen sind. Doch für Banken hat sich der Prüfungsaufwand bisher nicht gelohnt. Hier setzt Bezahlt.de mit einer automatisierten Lösung an, bei der die Software die Ausfallrisiken und damit auch die Gebühren berechnet. Scoring per Algorithmus war auch schon die Idee hinter Kreditech, nur dass der Ansatz da zur Vergabe von Konsumentenkrediten genutzt wurde. „Wir hatten auch bei Kreditech immer mal die Idee, so etwas für kleine Unternehmen und Freelancer anzubieten“, erinnert sich Diemer.

Start-ups drängen ins Factoring-Geschäft

Doch es gibt inzwischen bereits einige Wettbewerber: So bieten auch Pagido und Decimo Factoring für Freelancer an, mit Fundflow ist gerade noch ein weiterer Konkurrent gestartet. „Im Gegensatz zu anderen Anbietern ist unsere Technik vollautomatisiert und es gibt auch keine Mindestbeträge für die Rechnungen“, sagt Bezahlt.de-Mitgründer Daniel Schlotter.

Die Kunden sollen möglichst wenig Daten angeben müssen. Neben der Rechnung selbst eigentlich nur Informationen zu Person und Konto. Die eigentliche Analyse findet im Hintergrund statt und hängt stark vom Schuldner ab: Wer eine Rechnung bei einem großen, bekannten Unternehmen ausstehen hat, bekommt mit größerer Wahrscheinlichkeit und weniger Gebühren das Geld vorgeschossen – selbst wenn das eigene Konto im Minus steht.

Bezahlt.de soll jedoch nicht das einzige neue Angebot von Diemer sein. Denn hinter dem Dienst steckt die vom ihm gegründete Blackbill Internet GmbH. „Da wird noch einiges nachkommen“, kündigt Diemer an. „Mit Blackbill wollen wir künftig für jegliche Art von Unternehmensfinanzierung die passende Lösung anbieten und das europaweit.“

Dafür hat Diemer sich nach eigenen Angaben ein Investment in Millionenhöhe gesichert. Zu den Geldgebern gehören Point9 Capital, der neue Wagnisfinanzierer Fly.vc und Business Angel wie der ehemalige StudiVZ-Chef Michael Brehm und Bipoint-Gründer Heiko Hubertz. Außerdem ist auch Alexander Graubner-Müller beteiligt – der jetzige Chef von Kreditech.