Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche will der Gründer von Evy Solutions, Michael Vogel, überzeugen. Sein Start-up scannt und analysiert Briefe. Wie urteilt Investor Florian Heinemann?

Eine halbe Minute mit Investor Florian Heinemann im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir haben einen digitalen Assistenten programmiert, der mithilfe von Algorithmen den Inhalt  eingehender Briefe erkennt und dem Empfänger vorschlägt, was er tun soll. Kunden, die eine Rechnung bekommen, müssen zum Beispiel nur noch die Überweisung bestätigen, die unsere Software schon vorbereitet hat. Bei Anwaltskanzleien erkennt das Programm zudem, ob in der Post Fristen und Termine gesetzt sind, und warnt, bevor die verstreichen. Geschäftskunden können ihre Buchhaltung direkt mit unserer Software koppeln. Dann liefert der Assistent sogar eine Übersicht, wofür sie Geld ausgeben. Alles, was die Kunden tun müssen ist, ihre Post an uns umzuleiten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Michael war es leid, zu Hause und im Büro haufenweise Briefe durchsehen zu müssen, um in der Masse der Werbung die wichtige Post zu finden. Eine Software, die ihm das hätte abnehmen können, gab es nicht. Also haben wir sie programmiert. Inzwischen finden wir mit unseren Kunden immer neue Aufgaben, welche die Software übernehmen kann.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Mehrere Unternehmen haben den Service schon abonniert und liefern bis zu acht Millionen Briefe im Jahr. Ab 2019 werden wir Gewinn erwirtschaften.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d)…wie eine Mischung aus Amazon und Google; wir wollen den Menschen das Leben leichter machen.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unser sechsköpfiges Kernteam besteht zur Hälfte aus Männern und Frauen zwischen 20 und 50 Jahren.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir müssen immer mal wieder Aufträge verschieben, weil uns Softwareentwickler fehlen. Das tut weh.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann hilft unser Assistent Unternehmen weltweit bei der Büroarbeit.

Fakten zum Start-up:

Gründung: 2017
Kunden: 4 Großunternehmen und 150 Privatkunden
Finanzierung: 800.000 Euro von Freunden & Familie sowie Crowdfunding
Mitarbeiter: 6

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 4/5

Urteil: „Der Wertbeitrag durch das intelligente Auslesen der Briefe muss relevant sein. Ist die  Technologie so gut, dass die Inhalte ohne manuelle Arbeit nahezu fehlerfrei verstanden werden, kann das der Fall sein.“

Florian Heinemann, Partner der Wagniskapitalfirma Project A und früherer Geschäftsführer bei Rocket Internet