Die Exits in Europa liegen im ersten Halbjahr 2015 höher als im gesamten vergangenen Jahr. Gerade die deutsche Start-up-Szene befindet sich im Ausverkauf.

Europa befindet sich im Kaufrausch – zumindest wenn es um Tech-Start-ups geht. Schon in den ersten sechs Monaten 2015 lag der Wert der Exits höher als im Gesamtjahr 2014. Wurden im vergangenen Jahr Firmen im Wert von 80 Milliarden Euro verkauft, kamen die Exits von Januar bis Juni 2015 bereits auf einen Wert von rund 84 Milliarden Euro. Insgesamt haben 302 Firmen den Besitzer gewechselt, im Gesamtjahr 2014 kam die Start-up-Szene auf 358 Exits, berichtet das Onlineportal „Tech.eu“.

Das bedeutet auch: Die Gründer und Eigentümer haben mit dem Verkauf ihrer jungen Unternehmen durchschnittlich deutlich mehr Geld eingenommen. Im Vergleich zu 2014 stieg der Exit-Wert um rund 26 Prozent von 224 Millionen Euro auf 283 Millionen Euro. Die Summen beziehen sich dabei nur auf die Verkäufe, deren Summen offengelegt wurden, das sind etwa 37 Prozent.

Die meisten Exits bedeuteten den klassischen Verkauf des Tech-Unternehmens an eine andere Firma. 278 Start-ups wechselten auf diese Weise den Besitzer. Zusätzlich kam die europäische Szene auf zwölf Fusionen und zwölf Börsengänge im ersten Halbjahr.

Die meisten Exit-Firmen stammen aus Deutschland

Besonders beliebt bei den Investoren: deutsche Tech-Firmen wie 6Wunderkinder, Carpooling oder auch Windeln.de. Insgesamt 34 der veräußerten oder nun börsennotierten Unternehmen kamen aus der Bundesrepublik, so viele wie aus keinem anderen europäischen Land. Auf Platz zwei landet mit deutlichem Abstand Großbritannien mit 21 Exits und auf Platz drei folgt Israel mit 18 Exits.

Auch bei den Käufern mischt die Bundesrepublik auf den vorderen Plätzen mit. Die meisten Unternehmen wurden zwar amerikanisch – insgesamt 37 von ihnen –, doch schon auf dem zweiten Platz folgt Deutschland. 27 Firmen und Start-ups gingen an Investoren aus der Bundesrepublik. Mit dem Medienkonzern ProSiebenSat.1 und dem Start-up Inkubator Rocket Internet, die jeweils zwei Akquisen im zweiten Quartal vorweisen können, kommen auch zwei der vier aktivsten Kapitalgeber aus Deutschland.

„Tech.eu“ geht davon aus, dass der Kaufrausch mit dem ersten Halbjahr noch lange nicht vorbei ist. Derzeit seien 37 Prozent der Deals und ihre Summen bekannt, das ist in etwa so viel wie 2014, als es 35 Prozent waren, schreibt das Onlineportal. Und es ist sich sicher: „Europa ist auf Kurs, den Wert der europäischen Tech-Exits im Vergleich zu 2014 zu verdoppeln.“