Doch mit diesem hörte der mühsame Weg für Start-ups im Bereich Flüssignahrung nicht auf: Auch das Thema Finanzierung ist eine Herausforderung, vor allem in Abgrenzung zur Konkurrenz. „Die ersten“, „die einzigen“ und „anders als“ sind Satzteile, die im Gespräch mit Gründer Schechtmann immer wieder fallen. Kein Wunder, denn es tummeln sich einige Konkurrenzprodukte in der Soylent-Nachfolge auf dem deutschen und europäischen Markt – auch, weil diese in ihrer Pulverform leichter zu vertreiben und zu exportieren sind als Tiefkühl- oder Frischprodukte: Huel aus Großbritannien ist Europas Nummer 1; Mana aus Tschechien gilt als günstige Alternative zu Soylent; in Deutschland heißen die Wettbewerber etwa Bertrand – ebenfalls mit biologischen Zutaten – oder Nu3 mit seinem Replacement Compleat.

Abheben von der Konkurrenz – aber wie?

Es gilt sich also abzuheben und das ist nicht immer leicht, wie das Trinkkost-Team vor allem in seiner Anfangszeit erleben musste. „Wir hatten es uns einfacher vorgestellt als es letztlich war. Daher war die Burnrate am Anfang entsprechend hoch“, sagt Schechtmann, der unter anderem auf eine gescheiterte Crowdfunding-Kampagne zurückblickt. „Erst als wir unsere Zielgruppe kannten, die ersten Listungen in Denn’s Biomärkten sowie im Apothekengroßhandel bekamen und in den ProSiebenSat1-Accelerator aufgenommen wurden, wurde die Finanzierung einfacher.“ Heute gehört Trinkkost zu 49 Prozent Privatpersonen. Den Unternehmenswert macht Schechtmann nicht öffentlich und verweist stattdessen auf eine monatliche Absatzsteigerung von 30 Prozent.

Vielfältige Investitionsmöglichkeiten

Die Produktoptimierungen gehen weiter – schließlich gilt es den potenziellen Kundenkreis zu erweitern. Diversifizierung ist das Ziel, das die Mehrheit in dem Segment anstrebt. Runtime adressierte zunächst Computer-Freaks und heute mit einer breiten Produktpalette auch Studenten, Sportler und Workaholics, die Geld und Zeit sparen wollen. Nu3 lehnte ein Interview zu Compleat ab, weil das Unternehmen an der Rezeptur seiner Pulvernahrung arbeite. Ziel sei, das Produkt „stärker auf die Bedürfnisse unserer Kunden auszurichten und entsprechend auch neu zu positionieren“, teilt Nu3 mit.

Chance auf Geldspritzen bieten sich bei auf Food spezialisierten Business Angels, deren Zahl mit der der Food-Starter allmählich steigt. Nietzer und seine vier Kollegen von den Food Angels wollten unter den ersten sein, die sich entsprechend fokussieren. Wegen seines Interesses an der grünen Essensbranche gründete der wohl bekannte Business Angel Christophe Maire die Gesellschaft Atlantic Food Labs. In Nachbarländer positionieren sich die Österreicher von Square One Food oder die Franzosen von Digital Food Lab. Nietzer sieht sich nicht in Konkurrenz zu Pendants in dem Segment. Die Investitionsmöglichkeiten seien so reichlich und vielfältig, dass man sich unter Investoren nicht in die Quere komme.