Risikokapitalgeber werden vorsichtiger, wenn es um Unternehmen mit einem Fokus auf erneuerbare Energien geht. Deutsche Start-ups konnten trotzdem punkten.

Die globalen Zahlen klingen dramatisch: Weltweit sei das Investment von Risikokapitalgebern und Private-Equity-Firmen in Energiewende-Start-ups seit 2008 auf ein Sechstel zusammengeschrumpft. 1,8 Milliarden US-Dollar Investments zählten Forscher der Frankfurt School of Finance für das Jahr 2017 – zehn Jahre zuvor seien es etwa zehn Milliarden Dollar gewesen.

Die Wissenschaftler, die gestern den von Bund und UN geförderten Bericht „Global Trends in Renewable Energy Investment“ (hier geht es zum PDF) vorstellten, sehen jedoch in erster Linie eine natürliche Entwicklung: Viele Solar- und Windkraftfirmen seien mittlerweile so groß geworden, dass sie bereits auf andere Finanzierungsarten zurückgreifen oder in Konzernstrukturen aufgegangen seien.

Für frühe Investments in Start-ups, also Anschub- und erste Wachstumsfinanzierungsrunden, verzeichneten die Statisiker nämlich einen deutlichen Zuwachs. Trotz eines Minus von 26 Prozent für Europa, wo 287 Millionen Dollar Risikokapital gezählt wurden, sind die Wissenschaftler daher optimistisch: „Auch wenn der Motor bei den Erneuerbaren in Deutschland und Europa etwas stottert: Der Strukturwandel ist weltweit in Fahrt, die Technologien sind auf einem guten Weg“, sagt Ulf Moslener, Mitherausgeber des Reports und Professor für nachhaltige Energiefinanzierung an der Hochschule.

NexWafe und Mobisol wachsen weiter

Als Beispiele führten die Forscher gleich mehrere junge Unternehmen aus Deutschland an: Das Freiburger Solarzellen-Start-ups NexWafe konnte kurz vor Weihnachten eine Finanzierung in Höhe von acht Millionen Euro verkünden und will damit nun in die Massenproduktion starten.

Genannt im Report wurde zudem Mobisol. Das Berliner Unternehmen ist überwiegend in Afrika unterwegs – und verkauft dort über Mikrokredite kompakte Solaranlagen, die häufig zum Start von kleinen Unternehmungen wie Supermärkte oder Restaurants führen. Mobisol übernahm im vergangenen Jahr ein us-amerikanisches Start-up und konnte sich darüberhinaus ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro sichern.

Darüber hinaus sorgen die spezifischen Herausforderungen auf dem deutschen Energiemarkt für Geschäftschancen: Weil durch die Energiewenden zukünftig die Stromnetze anders ausgeglichen werden müssen, positionieren sich Start-ups wie GridX oder Next Kraftwerke mit ihren Angeboten.