So schnell wie möglich an die Spitze: Viele junge Unternehmer reizt der steile Aufstieg. Ältere Gründer lassen es gerne etwas ruhiger angehen. Der vierte Teil unserer Serie über den Erfolg durch Erfahrung.

Gründer sind jung und kommen frisch von der Uni? Von wegen: Nach Angaben der KfW ist jeder dritte Gründer in Deutschland älter als 45. Zwar umfasst die Statistik nicht nur hippe Start-ups, sondern auch die vermeintlich biedere Old Economy: Anwaltskanzleien, Pflegedienste oder Restaurants. Doch immerhin 15 Prozent der über 45-jährigen Gründer waren laut KfW mit digitalen Geschäftsmodellen aktiv.

Und der Deutsche Startup-Monitor, eine Befragung von etwa 1200 Start-ups, stellt fest: Der Altersdurchschnitt steigt sogar. Im Jahr 2013 waren noch weniger als zehn Prozent der Gründer älter als 45. Im vergangenen Jahr waren es bereits fast 20 Prozent. Ist der Jugendwahn der Gründerszene womöglich eine Illusion? Was erleben ältere Menschen, die den Schritt wagen? Unsere Serie sammelt Argumente von Forschern, die durchaus Vorteile für ältere Gründer sehen.

Junge Unternehmer fühlen sich von der Aussicht auf eine Führungsaufgabe angezogen, von Macht und Einfluss. Das hat der amerikanische Entrepreneurship-Forscher Noam Wasserman, Professor an der Universität von Southern California,  herausgefunden. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Rezepten erfolgreicher Gründer. Für Menschen über 40 hingegen spiele beim Gang in die Selbstständigkeit häufiger der Wunsch eine Rolle, Erfahrungen weiterzugeben oder sich selbst neuen Aufgaben zu stellen.

Diese intrinsische Motivation, gepaart mit Geduld, Gelassenheit und einem großen Adressbuch, führt am ehesten zum Erfolg. Manchmal dauert es eben ein wenig länger, bis aus einer guten Idee eine vermarktbare geworden ist – und bis sich das richtige Team gefunden hat.

Claudia Nagel kann das nachvollziehen. Vor einigen Jahren war sie mit ihren drei Kindern einkaufen. Als sie nach Hause kam, stand sie mit vollen Tüten in beiden Händen vor der Haustür. Warum eigentlich musste sie sich nun die Mühe machen, die Tüten abzustellen, um ihren Schlüssel hervorzuholen? Wäre es nicht möglich, die Tür mit einem drahtlosen Helferlein zu entriegeln, das man immer bei sich trägt?

Warten auf den richtigen Geschäftspartner

Das brachte sie auf eine Idee, einerseits. Andererseits arbeitete die Wirtschaftsingenieurin damals als Beraterin bei McKinsey. Ein lukrativer Job, den sie nicht so leicht aufgeben wollte: „Ich bin kein Mensch, der alleine gründet“, sagt die 39-Jährige heute. Sie brauchte erst einen Anstupser. Den traf sie eines Tages in Gestalt ihres ehemaligen Kollegen Christian Bogatu. Und schnell wurde ihr klar: Im Team könnte die Schlüssel-Idee klappen. Sie behielt recht.

Vor fünf Jahren gründeten Nagel und Bogatu Kiwi.ki, beide sind weiterhin Geschäftsführer. Das Start-up hat ein Türsystem entwickelt, das ohne herkömmlichen Schlüssel funktioniert. Das Schloss entriegelt sich automatisch, wenn der passende Transponder in der Nähe ist. Bogatu ist mittlerweile weitergezogen zum digitalen Energiedienstleister Fresh Energy.

Damit konnte Nagel bereits zahlreiche Geschäftskunden überzeugen, darunter auch die Deutsche Post und das Berliner Entsorgungsunternehmen Alba. Ihre bisherige Berufserfahrung schätzt Nagel als „besonders wichtiges Rüstzeug“ ein. Strukturiert arbeiten, Verhandlungen führen, Verträge ausarbeiteten – das habe sie als Beraterin gelernt.

Teil 1: Alter steigert das Selbstbewusstsein.

Teil 2: Alter vergrößert das Netzwerk.

Teil 3: Alter bringt mehr Ideen.