Was Marco Börries mit Number Four und 38 Millionen Dollar macht und was Gründer mit Piraten gemein haben: Eindrücke vom European Pirate Summit 2013 in Köln

Auf den ersten Blick sieht das Odonien in Köln aus wie eine Art Schrottplatz: Zwischen einer Bahntrasse und Europas größtem Bordell gelegen, stehen hier alte bunt besprühte Fahrzeuge, türmen sich Metallteile, liegen ausrangierte Verkehrsschilder. Irgendwer hat aus rostigen Stangen ein feuerspeiendes Monster gebaut, ein paar abgewetzte Sofas formen eine Sitzecke und ein alter Bus dient als Garderobe. Es ist der passende Ort für ein Event, das in der Gründerszene einzigartig ist: Der European Pirate Summit.

Unternehmer kommen her, um zu verraten, wie sie sich über Wasser gehalten und Beute gemacht oder mit welchen Ideen sie untergegangen sind. Zum Beispiel Titus Dittmann, der das Skateboard-Unternehmen Titus aufgebaut und dabei auch einige Wellentäler durchschiffen musste. Seriengründer Tim Schumacher, der den Domainhändlers Sedo groß gemacht hat und jetzt Adblock Plus aufbaut – und dabei kürzlich viel Gegenwind zu spüren bekam. Stefan Menden, der mit der Hotelbuchungs-App JustBook dem Dickschiff HRS davon segeln will. Oder Marco Börries, der als Teenager mit seinem ersten Unternehmen den Anker lichtete, bis heute Gründer geblieben ist und mit seinem jüngsten und vierten IT-Startup kürzlich 38 Millionen Dollar Startkapital einsammeln konnte. Auf dem Summit verriet Börries seine Erfolgsrezepte – im Gründerraum-Interview erklärt er, was er mit dem ganzen Geld vorhat:

Zwei Jahre nach dem ersten Pirate Summit ist das Event selbst zu einer Art Startup geworden: Die Erfinder um Till Ohrmann und Manuel Koelman wollen die Idee und den Spirit über den Kontinent verbreiten und organisieren unter dem Titel “Pirates on A Plane” kleinere Events im Ausland. Warum das so gut klappt und was Gründer mit Piraten gemein haben erklärt Mit-Initiator Manuel Koelman im Interview:

Und auch wenn im Moment alle über Berlin reden: Die Macher des Summit bekennen sich zu Köln. Womöglich auch, weil das Odonien der passende Ort ist, um all denjenigen den Prozess zu machen, über die sich Gründer ärgern – in Anlehnung an die alljährliche Nubbelverbrennung am Ende des Kölner Karnevals. 2011 musste der “Copycat Guy” dran glauben, 2012 machte der Mob dem “Corporate Guy” den Prozess und dieses Jahr ging der “X-Guy” in Flammen auf – eine Holzfigur gespickt mit bunten Zetteln, auf denen die Entrepreneure notieren konnten, was sie am meisten nervt: Das Späh-Programm Prism zählt genauso dazu wie das Wort “Nein”, unfaire Verträge, geplatzte Finanzierungsrunden, künstlich am Leben gehaltene Zombie-Startups und Inkompetenz.