Günter Faltins Schule schlägt auch auf dem „Entrepreneurship Summit“ durch. Statt um Finanzierungsrunden dreht sich alles um die Frage: Wie können Gründer die Welt besser machen?

Berlin. Selbst das mit den Getränken funktioniert auf dieser Konferenz anders. Auf anderen Veranstaltungen stehen riesige Kühlschränke mit Unmengen an Erfrischungsgetränken, an denen sich die Besucher selbst bedienen können. In den Hallen des Henry-Ford-Gebäudes der FU Berlin stehen stattdessen große Wasserspender. Geduldig warten die Teilnehmer in langen Schlangen, bis sie an der Reihe sind, und füllen sich ihre Glasflasche, die die Veranstalter bei der Anmeldung an jeden ausgeteilt haben, auf.

Wiedernutzen statt wegwerfen. Ganz die Schule Günter Faltins.

Auf dem „Entrepreneurship Summit“ schlägt der Ansatz des emeritierten Professors nicht nur bei den Getränken durch. Wer auf der Gründerkonferenz die nächste große Finanzierungsrunden sichern, Tipps zur Skalierung seines Geschäftsmodells erhalten oder die schnelle Expansion planen will, dürfte am Samstag und Sonntag ziemlich enttäuscht nach Hause gegangen sein.

Nein, der „Entrepreneurship Summit“ dreht sich nicht um die üblichen betriebswirtschaftlichen Begriffe und Daten. Faltin, Autor von Büchern wie „Wir sind das Kapital“, will mit seiner Veranstaltung keine geringere Frage beantworten als die nach dem Sinn: Wie lässt sich mit einer Gründung die Welt verbessern?

Ein Neurobiologe statt ein Seriengründer

Während sich auf anderen großen Gründerkonferenzen stets dieselben großen Namen der Start-up-Szene tummeln, hat Günter Faltin Menschen eingeladen, die erst nach mehrmaligem Hinsehen und auch dann nur im weitesten Sinne das Thema Start-up begleiten; Menschen, die nicht in Inkubatoren heimisch sind, sondern in der Welt der nachhaltigen und grünen Ideen; Menschen, die die Beweggründe hinter dem Gründen erklären.

Menschen wie Gerald Hüther. Der Professor für Neurobiologie streift das Thema Start-up in seiner Keynote sogar nur am Rande. Stattdessen will der weißhaarige Mann mit dem grauen Jackett und dem karierten Hemd seine Zuschauer anregen, sich zu begeistern, für das Denken, für das Lernen. Potenzialentfaltung, nennt er das. „Das Hirn ändert sich das ganze Leben lang“, sagt Hüther. Oder anders formuliert: Wir können das ganze Leben lang Neues lernen.

Doch wann lernen wir? Bei dieser Frage läuft der Professor auf der Bühne auf und ab, läuft zur Hochform auf. Vom Embryo bis zur Demenz, zu jeder Lebensphase erzählt er ein Beispiel, eine Anekdote. Ein paar Jahre nach Schulabschluss, sagt er beispielsweise, wüssten wir optimistisch gerechnet vielleicht noch zehn Prozent von dem, was uns Lehrer über zehn, zwölf, dreizehn Jahre vermitteln wollten. „Realistisch sind es vielleicht noch zwei Prozent“, sagt er in den überfüllten Raum um kurz nach neun Uhr am Samstagmorgen. Die Zuschauer lachen und applaudieren.