Hinter dem Start-up stehen die Movinga-Gründer. Die Fehler ihres alten Start-ups werden sich nicht wiederholen, versprechen sie.

Die Gründer von Movinga melden sich zurück: Nachdem Bastian Knutzen und Chris Maslowski Mitte 2016 – wohl nicht ganz freiwillig – die Umzugsplattform verlassen haben, wollen sie nun den Versicherungsmarkt aufmischen. Nach einer Beta-Phase startet Emil heute offiziell mit einer neuen Kfz-Versicherung. Die Idee: Die Kunden zahlen neben einer monatlichen Gebühr von fünf Euro einen Betrag pro gefahrenem Kilometer.

Lohnen soll sich das neue Angebot für Besitzer von Fahrzeugen, mit denen im Schnitt nicht mehr als 200 Kilometer pro Woche zurückgelegt werden. „Traditionell subventionieren die vielen Wenigfahrer das erhöhte Risiko der wenigen Vielfahrer. Dieses Prinzip durchbrechen wir“, erklärt Knutzen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Als Schadensregulierer hat das 2017 gegründete Insurtech den Versicherungskonzern Gothaer gewonnen. Der Tarif selbst wurde mit Hilfe des Rückversicherers General Reinsurance entwickelt.

Branche experimentiert mit neuen Tarifen

Nutzungsbasierte Kfz-Versicherungen sind in Deutschland bisher noch die Ausnahme. Zu den Vorreitern zählt neben Emil die Plattform Friday. Die Tochter des Schweizer Versicherungskonzern Baloise bietet seit August 2017 einen kilometerbasierten Tarif an. Etablierte Versicherer experimentieren dagegen mit Tarifen, bei denen sich die Prämie nach dem Fahrstil richtet. Diese richten sich vor allem an Fahranfänger. Knutzen betont, dass das Fahrverhalten bei Emil keinen Einfluss auf die Versicherungsprämie hat.

Um die Kilometerzahl zu erfassen, ist dennoch eine sogenannte Telematik-Einheit nötig, die eine Lokalisierung der Fahrzeuge erlaubt. Kunden erhalten den Nachrüststecker, der an die gängige OBD2-Schnittstelle passt, kostenlos. Dazu gehört eine App, mit der Kunden in einem ersten Schritt ihre Fahrten nachvollziehen können und den Standort ihres geparkten Autos nachsehen können. Geplant sind weitere „Smart-Car“-Funktionen. So solle es künftig einen Spritspartrainer und Wartungserinnerungen geben.

Laut Knutzen hat das 15-köpfige Start-up bisher einen siebenstelligen Betrag von Family Offices und Business Angels bekommen. Darunter sind Getyourguide-Gründer Johannes Reck, Lendico-Gründer Philipp Petrescu und Onefootball-Gründer Lucas von Cranach. Ob aktuell eine weitere Finanzierungsrunde ansteht, will der Emil-Chef nicht sagen.

Weniger Tempo

Für Knutzen und seinen Mitgründer Maslowski ist das Insurtech auch persönlich ein Neustart nach dem Verkauf ihrer Movinga-Anteile vor gut zwei Jahren. Das Unternehmen stand damals stark in der Kritik. Wie Gruenderszene.de berichtet hatte, gab es Hinweise darauf, dass das Umzugsportal mit manipulierten Zahlen systematisch Investoren und Medien täuschte. Gegen die Gründer selbst ermittelte zwischenzeitlich die Berliner Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung, das Verfahren wurde aber eingestellt.

„Movinga hat sich rasant entwickelt, das ist uns über den Kopf gewachsen“, räumt Knutzen heute ein. „Unsere Managementfähigkeiten sind nicht schnell genug mitgewachsen.“ Aus den Fehlern haben die Gründer gelernt, beteuert Knutzen. Auch deswegen habe man sich mit Emil Zeit gelassen: Dem offiziellen Start ging eine halbjährige Testphase voraus. „Wir wollten sicherstellen, dass alle operativen Prozesse reibungslos funktionieren.“