Unbeschränkte Urlaubstage, flexible Arbeitszeiten: Viele Start-ups setzen auf ein neues, freieres Führungssystem. Doch nicht alle Arbeitnehmer sind dafür gemacht.

Von Laura Waßermann

Theoretisch könnte man bei Elbdudler das ganze Jahr urlauben. Es gibt dort keine Beschränkung der freien Tage, egal ob für eine Reise, den Zahnarzt oder das Sommerfest im Kindergarten. Die Mitarbeiter der Werbeagentur können und sollen sich frei einteilen, wie, wann und wo sie arbeiten und Urlaub nehmen. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht, kein stures Nine-to-five oder Stechuhr-stempeln.

Dieser Trend kommt nicht (nur) aus der Start-up-Branche. Im Herbst 2014 verkündete Richard Branson, Chef der Virgin-Group, dass seine Mitarbeiter unbegrenzt Urlaub nehmen dürften. Dadurch würden Moral, Kreativität und Produktivität gesteigert, so Branson. Der Streaming-Dienst Netflix verfolgt schon seit 2004 diese Philosophie: „Richtlinien, Vorschriften, Regelungen und Bestimmungen sind Innovationskiller. Menschen geben ihr bestes, wenn sie unbelastet sind“, sagte der damalige Netflix-Sprecher Steve Swasey im Jahr 2010.

DNA des Unternehmen

„Easy Economy“, also „leichtes Arbeiten“, ist seit Jahren der Renner in der Diskussion um die Arbeitswelt 4.0. Start-ups haben jedoch einen klaren Vorteil: Sie können diese Politik von Anfang an betreiben und müssen nicht erst Tausende Mitarbeiter wie bei SAP oder der Deutschen Bank davon überzeugen. Auch die Umsetzung kann leichter von Statten gehen, wenn ein modernes Führungsmodell zur DNA eines Unternehmens gehört.

Dabei handelt es sich jedoch um weit mehr als um die Auswahl der Urlaubstage. Es geht um eine Hundertprozent transparente Verhandlungsbasis von Gehältern, einer ausgereiften Feedback-Kultur, alternativen Bezahlmodellen oder einer kollektiven Wahl von Führungskräften. Für Letzteres ist vor allem der Software-Konzern Haufe-Umantis bekannt. Vor einigen Jahren haben die Zürcher die top-down-Führung abgeschafft und veranstalten seither regelmäßige Führungskräftewahlen, bei der sich jeder, auch der oberste, Chef zur Wahl stellen muss.