Investoren rühmen gern ihre Erfolge und verschweigen verpasste Chancen. Point Nine gibt dagegen Einblicke, wo sie und andere NICHT investiert haben.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat schreiben Pawel Chudzinski, Christoph Janz und Nicolas Wittenborn vom Wagniskapitalgeber Point Nine Capital, was Investoren bewegt. Point Nine hat unter anderem in Mister Spex, Kreditech oder Helpling investiert.

Von Christoph Janz

Im Wagniskapital-Geschäft ist es unvermeidbar, dass man nach einigen Jahren neben einem hoffentlich gesunden Portfolio an Unternehmensbeteiligungen auch ein wachsendes Anti-Portfolio aufbaut. Soweit ich weiß, wurde der Begriff „Anti-Portfolio“ vom bekannten Wagniskapitalgeber Bessemer geprägt. Auf deren Website ist die Bedeutung so treffend beschrieben, dass ich sie hier vollständig zitieren möchte:

„Bessemer Venture Partners ist der vielleicht älteste Wagniskapitalgeber des Landes, mit einer Geschichte, die bis 1911 zurückreicht. Diese lange Geschichte hat unserem Unternehmen eine unvergleichliche Anzahl an Möglichkeiten gegeben, komplett zu versagen.

Im Laufe unserer Geschichte haben wir in eine Perückenfirma, ein Pommes-Unternehmen und die Eisenbahngesellschaft Lahaina, Ka’anapali & Pacific Railroad investiert. Auf der anderen Seite haben wir folgende Investments abgelehnt, obwohl wir die Chance dazu hatten und sie alle sich später in unglaublich erfolgreiche Unternehmen entwickelt haben.

Unsere Gründe, auf diese Investitionen zu verzichten waren unterschiedlich. In einigen Fällen haben wir in einem bewussten Akt von Großzügigkeit anderen, jungen VCs das Feld überlassen, bei denen wir dachten, sie könnten einige Milliarden Dollar Gewinn gebrauchen. In anderen Fällen hatten wir keinen Platz mehr im Anhang D unserer Steuererklärung und fürchteten, wir müssten ein weiteres Blatt anhängen.

Was auch immer die Gründe waren, wir möchten diese Unternehmen ehren – unser „Anti-Portfolio“ – dessen phänomenaler Erfolg uns weiter dabei inspiriert, großartige Unternehmen aufzubauen. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Wenn wir in eine dieser Firmen investiert hätten, würden wir vielleicht nicht mehr arbeiten.“

Es folgt eine spektakuläre Liste erfolgreicher Unternehmen, die Bessemer sich angesehen und bei denen sie trotzdem auf ein Investment verzichtet hat. Dazu gehören Apple, eBay, FedEx, Google, Intel und andere. (Trotzdem kein Grund, Hilfspakete an Bessemer zu schicken – Bessemer hat in mehr als 100 (!) Unternehmen investiert, die dann später an die Börse gegangen sind.)