Was würde eine Aufhebung des Verbots für Sie und Ihre Wettbewerber bedeuten?
In erster Linie würde das helfen, Telemedizin als Behandlungsstandard zu etablieren. Und es wäre damit möglich, dass unsere Leistungen auch direkt von Ärzten in Deutschland angeboten werden können.

Würden Sie damit auch den Firmensitz verlegen? London als Standort dürfte sehr unvorteilhaft sein, wenn es zu einem harten Brexit kommt.
Tatsächlich würde der Brexit dazu führen, dass wir zumindest ein zweites Standbein in der EU brauchen. Eine Möglichkeit ist Irland, die andere Deutschland. In Deutschland wollen wir auf jeden Fall eine Praxis aufmachen, sollte das Telemedizinverbot fallen.

Sie werben damit, dass auch jetzt schon Krankenkassen Ihre Leistungen übernehmen. Welchen Vorteil hat es dann überhaupt, aus Deutschland zu operieren?
Bisher ist es so, dass die Patienten erst einmal in Vorleistung gehen müssen – und sich um eine Erstattung der Kosten selbst kümmern müssen. Eine direkte Kostenübernahme durch die Krankenkassen würde die Hürden erheblich senken.

Von London aus behandeln Sie aktuell Patienten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Irland und Frankreich. Welchen Stellenwert hat Deutschland?
Nach England, wo Telemedizin schon lange etabliert ist, ist Deutschland der größte Markt für uns – und der am schnellsten wachsende.

Im deutschsprachigen Angebot findet man an prominenter Stelle die Behandlung von Erektionsstörungen. Sie stellen in Aussicht, dass Patienten allein durch das Ausfüllen eines Fragebogens an Medikamente wie Viagra kommen. Wie hoch ist der Umsatzanteil, der darauf zurückzuführen ist?
Es stimmt, dass wir damit stark gewachsen sind. Das Thema hat auch immer noch einen wichtigen Stellenwert für uns, aber keinen herausragenden mehr. Ich kann auch nichts Verwerfliches daran finden. Gerade bei Erektionsstörungen scheuen sich viele Männer, zum Arzt zu gehen. Wir können da das Leid lindern – und überzeugen viele Patienten auch davon, sich einmal vor Ort untersuchen zu lassen.

Die Behandlung per Fragebogen, auf die Sie auch für alle anderen Behandlungsfelder setzen, ist umstrittenen. Ein direktes Gespräch mit dem Arzt findet in der Regel nicht statt. Können die Patienten nicht einfach flunkern, um ein bestimmtes Rezept zu bekommen?
Zunächst einmal muss man dazu feststellen, dass man den Arzt im Behandlungszimmer auch anschwindeln kann. Richtig ist, dass unsere Ärzte aus der Ferne nur eingeschränkt Untersuchungen vornehmen können. Medikamente, bei denen wir ein großes Missbrauchspotenzial sehen – wie etwa Schmerzmittel – verschreiben wir deswegen nicht. In zehn bis 20 Prozent aller Fälle kommt es zudem vor, dass unsere Ärzte Nachfragen an die Patienten haben. Und in vielen anderen Fällen verweisen wir direkt an einen Arzt vor Ort. Die Kosten für die Online-Sprechstunde stellen wir dann nicht in Rechnung.

Auf der nächsten Seite: Wieso zwei Minuten pro Patient ausreichen.