Mit einem Rundum-Service für elektronisch angetriebene Firmenwagen fährt das Start-up auf einem spannenden Markt vor. Ein Energieriese aus Norwegen wird jetzt neuer Mehrheitseigentümer.

Der digitale Kilometerzähler auf der Webseite von eeMobility steht bei 5.830.105 Kilometern: Diese Strecke sollen E-Autos bereits zurückgelegt haben, um deren Ladeinfrastruktur sich das Münchener Start-up kümmert. Für die nächsten Millionen und Millionen an Kilometern übernimmt jetzt ein Energiekonzern das Steuer: Statkraft aus Norwegen hat sich mit 61 Prozent die Mehrheit an eeMobility gesichert. Ein Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.

Die hohe Kilometerzahl kommt bei der von eeMobility betreuten Fahrzeugflotte deswegen zusammen, weil sich das Start-up auf Firmenkunden konzentriert. Konzerne wie der Autozulieferer ZF oder der Industrieriese Siemens oder auch Hilfsorganisationen wie der Arbeiter Samariter Bund (ASB) lassen Teile ihrer elektrisch angetriebenen Firmenwagen bereits von eeMobility betreuen.

Strom-as-a-Service für Elektro-Autos

Das Start-up stellt dafür eigene Ladeboxen zur Verfügung, garantiert einen Bezugspreis für den genutzten Strom und stellt den Fahrern und Fuhrparkverwaltern eine App zur Verfügung, mit denen sie Ladesäulen finden und gefahrene Kilometer abrechnen können. Man verbinde Energiewende mit Verkehrswende, sagt Klaus Huber, der eeMobility 2015 gemeinsam mit Robin Geisler gegründet hat.

Der neue Eigentümer bringt nicht nur Kapital mit. „Statkraft verfügt über langjährige Erfahrung in der Elektromobilität in Norwegen, das weltweit über den höchsten Marktanteil bei Elektrofahrzeugen verfügt“, sagt Bjørn Holsen, verantwortlich für neue Geschäftsmodelle bei dem Energiekonzern. Statkraft bezeichnet sich selbst als Europas größten Erzeuger erneuerbarer Energie – vor allem im Heimatland Norwegen betreibt der Konzern in staatlicher Hand hunderte Wasserkraftwerke.

Fokus auf deutsche Firmen

Auf diese Expertise soll eeMobility nun zugreifen können, um das zukünftige Wachstum zu beschleunigen, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Der vorrangige Fokus bleibe jedoch auf dem deutschen Firmenkundenmarkt, heißt es auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Wann und wie man weitere Märkte erschließen wolle, sei noch offen, sagt eine Sprecherin des Start-ups. Geführt wird das junge Unternehmen trotz neuer norwegischer Mutter weiter von München aus, das 40-köpfige Team und die Gründer bleiben an Bord.

Auf den großen Markt der Fahrzeugflotten stürzen sich in Deutschland zahlreiche Start-ups. Azowo und Fleetster bieten beispielsweise Software an, mit der Fuhrparkmanager und Fahrzeugnutzer besser die Auslastung steuern können. Vimcar konzentriert sich auf ein digitales Fahrtenbuch für Dienstwagen – und konnte in dieser Woche eine umfangreiche Finanzierungsrunde abschließen.