Hip essen – aber zu Hause bleiben? Das wollen neue Lieferdienste bieten. Und das hat Erfolg: Gerade erst hat Deliveroo 100 Millionen Dollar eingesammelt.

Pizza aus durchgeweichten Kartons, Lasagne in schmucklosen Aluboxen oder kalte Asia-Nudeln à la Geschmacksverstärker – wer sich Essen vom Restaurant nach Hause bestellt, rechnet eher mit durchwachsener Qualität. Gleich mehrere Start-ups sind jetzt angetreten, den Restaurant-Lieferdienst auf Gourmet-Niveau zu heben.

Die zwei größten starteten relativ kurz nacheinander: Foodora begann im Spätsommer 2014 damit, Kreationen Münchner Restaurants auszuliefern. Deliveroo ist im April 2015 als Konkurrent angetreten. Mittlerweile arbeiten beide mit Restaurants in vielen deutschen Großstädten und auch in einigen anderen Ländern zusammen. Deshalb deutet Vieles auf einen Zweikampf hin: Deliveroo hat erst im Juli eine Finanzierungsrunde über 70 Millionen US-Dollar eingesammelt, nun folgt eine zweite und größere. 100 Millionen Dollar gab es in einer Serie D. Größte Geldgeber sind DST Global und Greenoaks Capital. Damit hat das britische Start-up seit der Gründung 2013 mehr als 200 Millionen Dollar eingenommen.

Die Strategie der neuen Lieferdienste ist dieselbe: Beliebte Restaurants bereiten die Gerichte zu, die Start-ups nehmen ihnen den Stress mit der Lieferung ab. „Wir ermöglichen den Gastronomen, sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten können: kochen. Den Rest übernehmen wir“, sagt Bodo von Braunmühl, Sprecher der Delivery Hero Holding, zu der Foodora gehört.

Der Kunde tippt auf einer der Plattformen ein, wohin er sein Essen gebracht haben will. Dann bekommt er Lokale in seiner Umgebung angezeigt. Statt ein Flugblatt aus dem Briefkasten zu betrachten, scrollt er sich am Bildschirm durch die Speisekarten, bestellt und zahlt bargeldlos. Per Fahrradkurier des Lieferdienstes kommt das Essen binnen einer halben Stunde nach Bestellung zum Kunden – hübsch verpackt und noch warm, so das Versprechen.

Bei welchem der beiden Premium-Lieferdienste der Kunde bestellt, macht bislang keinen großen Unterschied: Die Webseiten sind ähnlich aufgebaut, beide werben mit hochauflösenden Bildern von Gerichten mit viel Rucola. Die Preise sind gleich. „Wir haben ein ähnliches Produkt“, sagt Felix Chrobog, Geschäftsführer von Deliveroo, auf Foodora angesprochen. Foodora-Geschäftsführer Julian Dames sagt: „Natürlich spielen wir im selben Markt.“ Um den Gourmet-Wünschen der Kunden gerecht zu werden, buhlen die zwei Start-ups um dieselben Restaurants.