Der deutsche Chemiekonzern BASF investiert neben anderen in das Schweizer Start-up. Das setzt nun auf Wachstum im lukrativen, aber anspruchsvollen Landwirtschaftssektor.

Weniger Pestizide – und trotzdem weniger Schädlinge: Mit diesem Ziel sollen die Roboter des Schweizer Start-ups EcoRobotix über landwirtschaftliche Flächen fahren. Jetzt kann das 2011 gegründete Unternehmen den Abschluss einer umfangreichen Finanzierungsrunde bekanntgeben: Neue und bestehende Investoren stecken 9,2 Millionen Euro in EcoRobotix. Zu den neuen Geldgebern zählt neben dem französischen Risikokapitalgeber Capagro auch der deutsche Chemiekonzern BASF. Der ist unter anderem auch im halbstaatlichen High-Tech Gründerfonds engagiert, investiert daneben aber auch über eine eigene Beteiligungstochter direkt in Start-ups.

BASF ist nach eigenen Angaben vor allem neugierig auf die Künstliche Intelligenz (KI), die der Unkrauterkennung zu Grunde liegen soll. Man wolle den nachhaltigeren und effizienteren Einsatz von Chemikalien stärker in alle Geschäftsfelder integrieren, lässt sich Markus Solibieda, Geschäftsführer von BASF Venture Capital, zitieren: „Ein Teil davon sind Investments in KI-basierte Plattformen wie die von EcoRobotix“.

Ernte auf einem milliardenschweren Markt

Dank einer klugen Bilderkennung soll der automatisch über die Felder fahrende Roboter, der sich via Solarpanels mit Energie versorgt, erkennen können, wo Schädlinge wuchern – und kann so gezielt die Pestizide aussteuern. Dank des neuen Investments starte man nun in die „zweite Phase der Existenz“, sagt EcoRobotix-Gründer Aurélien G. Demaurex. Das Ziel: Von Europa aus international wachsen.

Das Start-up hofft auf Erfolge auf einem milliardenschweren Markt: Die Digitalisierung der Landwirtschaft, häufig auch als „Smart Farming“ betitelt, wird von vielen Firmen beackert. Alleine den Bereich des „Precision Farmings“, also des genaueren Ausbringens von Saatgut oder Pestitziden, schätzen Marktforscher bis 2024 auf ein Volumen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. In Deutschland hat das Landwirtschaftsministerium ein Förderprogramm für diesen Bereich aufgelegt.

Landwirte scheuen Investitionen

Die Palette der Angebote für Landwirte ist groß. Sie reicht von Softwarelösungen für die Überwachung von Boden und Saatgut über neu konstruierte Robotern und Drohnen bis hin zu Plattformen, die etwa die Vertriebsmöglichkeiten der eigenen Produkte stärken.

Die Herausforderung: Der Markt ist häufig zersplittert und nicht unbedingt mit großen Kapitalreserven für teure Investitionen in Digitaltechnik ausgestattet. Das macht das Skalieren der wachstumsorientierten Start-ups schwieriger. Während etwa kostengünstige und einfach zu handhabende digitale Lösungen wie Agrar-Apps einer Studie der Vereinigung der bayrischen Wirtschaft  (hier geht es zum PDF) zufolge bereits von drei Vierteln der befragten bayerischen Landwirte genutzt würden, seien teure Technologien wie intelligente landwirtschaftliche Maschinen nur bei etwa jedem Fünften der Befragten im Einsatz.