Woche der Übernahmen: Die Franzosen bedienen sich erneut an einem deutschen Mobility-Start-up. Apple schlägt in München zu. Und die deutsche Start-up-Szene wagt sich ins Ausland. Was in dieser Woche wichtig war.

Pariser Invasion: Schon wieder schlucken Franzosen ein bekanntes deutsches Mobility-Start-up. Nachdem BlaBlaCar kürzlich Mitfahrgelegenheit.de übernommen hatte, schlägt nun Drivy zu. Die Pariser bieten privates Carsharing und sind damit seit einiger Zeit in Deutschland aktiv. Nun forcieren sie ihre Aktivitäten und kaufen den deutschen Marktführer Autonetzer. Gemeinsam bieten sie dann 11 000 private Autos zum Teilen an.

Aber nicht nur das französische Unternehmen war in dieser Woche in Übernahmelaune. Auch der US-Konzern Apple zeigt Interesse an der deutschen Start-up-Szene: Der IT-Riese hat offenbar das (schon etwas ältere) Münchner Start-up Metaio gekauft, wie „TechCruch“ berichtet. Die Gründerzeit in der Bundesrepublik scheinen nun auch ausländische Unternehmen zu goutieren.

Die Kauflaune ist aber kein französisches beziehungsweise US-amerikanisches Phänomen – sie übertragt sich auch auf Deutschland. Nachdem sich der Fernsehsender ProSiebenSat.1 erst kürzlich die hundertprozentigen Anteile am Online-Erotikshop Amorelie sicherte, gab der Medienkonzern in dieser Woche die Übernahme von Rapidape bekannt. Anders als bei Amorelie gibt es in diesem Fall aber eine klare Verbindung zwischen ProSiebenSat.1 und der Geschäftsidee des Start-ups: Rapidape will Unternehmen dabei helfen, die Wirkung ihrer TV-Kampagnen auch im Web nachverfolgen zu können. Wie das funktioniert, will offenbar auch der Medienkonzern wissen.

Auch das Berliner Start-up Applift akquiriert derzeit fleißig andere Unternehmen. Schon im Februar erwarb das 2012 gegründete Unternehmen die Plattform Appiris. Nun gaben die App-Marketing-Plattform bekannt, dass man das Singapurer Start-up Bidstalk erworben habe. Das Unternehmen aus Südostasien gilt als Experte für mobile Echtzeitwerbung. Zum Kaufpreis äußerte sich Applift nicht.

Mehr Jobs trotz „Gründungsmisere“

Apropos Auslandsmärkte: Die deutsche Start-up-Szene zeigte in dieser Woche ein überdurchschnittlich starkes Interesse an internationalen Märkten. Während sich Applift in Singapur Verstärkung suchte, verkündete das Berliner Rocket-Start-up Spotcap seine Expansion nach Australien. Auch der Onlinemodehändler Zalando, der auf eine Aufnahme in den MDax in der kommenden Woche hoffen darf, will sich stärker international aufstellen und einen Tech-Standort in Helsinki eröffnen. Erst im April hatte der Modehändler sein erstes Auslandsbüro in Dublin gestartet. Von Berlin in die Welt – die deutsche Start-up-Szene bleibt auf Wachstumskurs.

Auch die Zahl der Gründer vermehrt sich, wie der KfW-Gründungsmonitor 2015 am Dienstag zeigte. Das Problem: Das Wachstum zeigt sich vor allem in der freiberuflichen Selbstständigkeit, gewerbliche Gründer hingegen fehlen in Deutschland. DIHK-Präsident Eric Schweitzer spricht schon von einer „Gründungsmisere“.

Allerdings stimmt das nicht ganz: Zwar ist Deutschland tatsächlich weit von seinen Gründungsrekorden von Anfang der 2000er Jahre entfernt. Doch wenige Gründer heißt eben auch ein hoher Anteil an Beschäftigung (über die sich auch der DIHK-Chef nicht beschweren dürfte). Und diese Jobs kommen auch aus der deutschen Start-up-Szene: Neugründungen schufen 2014 rund 745.000 Vollzeit-Jobs – ein Plus von fast 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.