Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche wollen die Gründer von Divera 24/7, Eric Tribble, Ben Kreiskott und Patrick Remy, überzeugen. Sie verbessern die Einsatzplanung der Feuerwehr. Wie urteilt Investorin Kristin Müller?

Eine halbe Minute mit Investorin Kristin Müller im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
Nur gut 100 deutsche Städte können auf Berufsfeuerwehren vertrauen. Überall sonst rücken in Notfällen Freiwillige Feuerwehren aus. Bis Ehrenamtler im Falle eines Alarms im Gerätehaus sind, vergehen Minuten. So lange weiß der Einsatzleiter nicht, ob genug Helfer mit geeigneter Qualifikation kommen – weil etwa kein Maschinist fürs Löschfahrzeug angerückt ist. Solche Verzögerungen können Menschenleben kosten. Wir schließen die Lücke mit einer App, über die Helfer gleich nach dem Alarm melden können, wie rasch sie verfügbar sind. So bringen wir Retter schneller in den Einsatz. Das funktioniert übrigens in allen Wirtschaftsbereichen, die Personal flexibel steuern müssen – bei der Bahn, bei Eventagenturen, in der Gastronomie.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Wir arbeiten seit Jahren bei Feuerwehr und Hilfsorganisationen und kennen Personalprobleme sehr genau.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Die Basisversion unserer App finanzieren wir über Werbung. Für die Premiumversionen mit Zusatzfunktionen wie etwa die Verwaltung mehrerer Standorte nehmen wir Gebühren pro Helfer. In Deutschland gibt es rund 10 Millionen mögliche Nutzer, europaweit weit mehr als 20 Millionen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) … auf die Praxis fokussiert. Was wir morgens programmieren, muss abends im Einsatz funktionieren.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Zwei unserer 15 Leute sind Frauen. Das entspricht grob dem Frauenanteil bei der Feuerwehr. Wir hätten gerne mehr.

Was war euer größter Rückschlag?
Ein Feuerwehrchef lehnte unser System ab, weil es seine Personaldefizite sichtbar machte.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir bei der digitalen Koordination von Rettern führend und verkaufen Divera 24/7 auch international.

Fakten zum Start-up

Gründung: 2016
Nutzer: 60.000 Einsatzkräfte in Deutschland
Mitarbeiter: 15, einschließlich der Gründer
Finanzierung: Eigene Mittel, Werbe- und Lizenzerlöse

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 3/5

Urteil: „Der Erfolg von Divera 24/7 beruht auf der Erfahrung des Teams bei Feuerwehr und Co. Weitere Branchen erschließen – das ist nicht einfach. Dort gibt es schon ähnliche Lösungen.“

Kristin Müller ist Investmentmanagerin beim Bonner Wagniskapitalinvestor High-Tech Gründerfonds.