Eine Dienstreise ist ebenso unersetzlich wie anstrengend. Einige Start-ups wollen das ändern.

Von Susanne Schwarz

Auf Korsika fanden Timo Müller und Nils Mahler die Entschleunigung. Im Jahr 2009 waren die beiden 26 Jahre alt, als ihr Mietwagen kurz nach der Abfahrt Probleme machte. „Im ersten Gang fuhren wir zum nächsten Campingplatz und waren uns sicher, dass man uns dort helfen würde“, sagt Mahler. Auf Französisch war der anschließende Kontakt mit den Behörden allerdings kompliziert.

Wer geschäftlich unterwegs ist, hat meist einen strikten Zeitplan – und ist gedanklich bei der anstehenden Verhandlung, nicht bei der Erklärung der gewünschten Taxi-Route auf Portugiesisch, der Beschreibung der pochenden Rückenschmerzen auf Russisch, der Hotelumbuchung auf Mandarin. Besonders hilfreich ist es deshalb für Geschäftsreisende, dass Mahler und Müller aus ihrem Urlaubserlebnis zusammen mit zwei anderen ein Unternehmen gegründet haben: Lingoking vermittelt Dolmetscher für Sprachkombinationen.

Mittlerweile kann man die Übersetzer für verschiedene Anlässe buchen. Von Anfang an aber boten die jungen Gründer das spontane Telefondolmetschen an, das auch Mahler und Müller auf Korsika geholfen hätte. Man kann sich bei Lingoking melden und wird innerhalb von wenigen Minuten von einem passenden Übersetzer zurückgerufen, der dann stellvertretend die Sprachbarriere überwindet.

182,7 Millionen Dienstreisen haben deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr beauftragt. Mal eintägige Kongressbesuche, mal wochenlange Reisen. Doch jedes Mal müssen sich die Reisenden neben ihrer geschäftlichen Mission zusätzlich mit den kleinen und großen Strapazen befassen.

Digital durchs Hotel

Das Berliner Start-up Hotel Beacons will ihnen das ereichtern, indem es das Leben aus dem Koffer digitalisiert. Wer schnell zum nächsten Termin muss oder nur noch erschöpft ins Hotelbett fallen will, soll das langwierige Einchecken umgehen.

Hotel Beacons verwandelt das Smartphone in eine digitale Rezeption: Der Hotelgast lädt sich die App Conichi herunter. Das Hotel installiert indes spezielle Sender, die das Smartphone erkennen, sobald es über die Türschwelle getragen wird. Conichi übermittelt dann das eingerichtete Nutzerprofil ans Hotel, inklusive möglicher Extrawünsche – damit die Allergikerin in der Nacht vor dem zentralen Meeting nicht versehentlich im Daunenbett landet.

Das Mobiltelefon kann zudem als Zimmerschlüssel verwendet werden, über die App laufen Check-out und Zahlungen, der Übersicht halber getrennt nach privaten und geschäftlichen Ausgaben.