Grundkenntnisse in BWL und Steuern sind notwendig. Denn kein Steuerberater könne die Überlebensfähigkeit des Unternehmens sicherstellen, warnt Experte Martin Müller.

WirtschaftsWoche Gründer: Das Budget von jungen Unternehmen ist knapp. Warum sollten Gründer mehrere Tausend Euro für Steuerberater ausgeben?
Martin Müller:
Es kann in der Tat viel Geld kosten, wenn man gar kein Vorwissen mitbringt. Ich empfehle Gründern daher den eigenen Wissenshorizont schon in der Vorgründerphase durch Fachbücher und Workshops zu erweitern. Somit kann die Anzahl der persönlichen Treffen reduziert werden. Das spart Geld. Fristen sollte er aber kennen.

Apropos Fristen: Bis wann muss die Erklärung denn abgegeben werden?
Es gelten für Unternehmer dieselben Fristen wie für Privatpersonen. Bis zum 31. Mai ist die Steuererklärung einzureichen. Wenn ein Steuerberater hilft verlängert sich die Frist bis zum 31. Dezember. Darüber muss man das Finanzamt informieren. Wichtiger ist vor allem das Umsatzsteuervoranmeldeverfahren. In den ersten zwei Jahren der Gründung muss grundsätzlich eine monatliche Anmeldung bis zum 10. des Folgemonats erfolgen.

Wann kommt der Großteil Ihrer Kunden auf Sie zu?
Erfahrungsgemäß teilen sich die Kunden in zwei Lager auf: Die einen kommen wenige Wochen vor der Gründung zu mir. Die anderen sind die, die es zunächst selbst probiert haben und ab einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter kommen. Letzteren Weg halte ich für besonders sinnvoll, denn nur wenn man etwas selbst macht, versteht man es auch.

Was sind die häufigsten Fehler die Gründer machen?
Häufig kennen sich Gründer mit Steuern gar nicht aus. Das hat insbesondere Auswirkungen auf die Finanzplanung. So weiß der Gründer dann nicht, wie hoch seine Steuerbelastung sein wird und kann entsprechend nicht genug zurücklegen. Daher wird häufig eine Rechtsform für das Unternehmen gewählt, die steuerlich nicht ideal ist. Wer mehr als 40.000 Euro Gewinn pro Jahr macht, der sollte sich mit der Gründung einer GmbH oder UG beschäftigen. Als Einzelunternehmer muss bei dieser Grenze ein deutlich höherer Steuersatz bezahlt werden. Auch für einen späteren Exit hat die Wahl der Rechtsform eine große Bedeutung. So kann dieser beispielsweise so gestaltet werden, dass auf einen Veräußerungsgewinn von 500.000 Euro nahezu keine Steuern gezahlt werden müssen.

Sollten Start-ups alles selbst machen oder die Buchhaltung auslagern?
Wer die finanziellen Möglichkeiten hat die Buchhaltung auszulagern, sollte das tun. Die gesparte Zeit kann der Unternehmer dann nämlich für die Entwicklung seines Unternehmens verwenden. Für Freelancer mit wenig finanziellem Spielraum ist es wohl sinnvoller sich selbst drum zu kümmern. Allerdings müssen sie dann mit der Ungewissheit leben, nicht alle steuerlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.