Gerne lassen sich Politiker mit Start-ups ablichten, sie beschwören immer wieder eine neue Gründerzeit. Doch es fehlt ein Masterplan der Regierung.

Es sollte ein großer Tag für die Berliner Start-up-Szene werden. Fast 200 Gründer und Investoren hatten sich in der Berliner Kulturbrauerei versammelt, um der Kanzlerin zum Thema Start-ups zu lauschen. Selbstbewusst saßen sie dort – mit einer Liste im Kopf, was sich in Deutschland ändern muss. Ändern, damit Deutschland endlich zur Gründernation avanciert. Angela Merkel begann auf dem Podium: „Ich will noch nicht ‚liebe Freunde‘ sagen.“ Gelächter. „Man kann sich ja langsam annähern.“

Zwei Jahre ist das jetzt her – eine richtige Freundschaft hat sich zwischen Merkel und der Start-up-Szene seitdem nicht entwickelt. Doch die Gründer respektieren ihre Aufmerksamkeit für das Thema: Die Kanzlerin besucht Start-ups, diskutiert öffentlich mit Rocket-Chef Oliver Samwer und trifft sich mit Internetunternehmer Peter Thiel. „Sie hat ein großes Interesse und hakt immer wieder nach, wie sie konkret helfen kann“, erzählt Christoph Gerlinger, Chef der German Start-ups Group. Der Investor war Anfang des Jahres bei einem Abendessen mit der Kanzlerin dabei.

Und noch eine Gründerzeit

Das Interesse an der Start-up-Szene teilt Merkel mit vielen deutschen Politikern aus Bund und Ländern. „Ich war positiv überrascht, wie viele Politiker sich für Start-ups interessieren“, sagt Gerlinger. Auf der Technikmesse Cebit, die in wenigen Wochen startet, haben sich einige Politiker für einen Besuch in der Start-up-Halle Code N angemeldet. Es ist unter ihnen besonders beliebt, neue Gründerzeiten auszurufen. Allein die Bundesregierung beschwor seit 2013 regelmäßig einen Gründerboom. Zuletzt im Wirtschaftsbericht Anfang des Jahres. Die Zahlen der Gründungen sind in diesem Zeitraum jedoch gesunken: So gaben im Jahr 2013 laut IfM Bonn mehr Menschen ihr Unternehmen auf, als das es Gründungen gab. Es fehlt ein Masterplan, das merken die Gründer, trotz kleiner Erfolge.

Zu diesen kleinen Erfolgen gehört eine aktuelle Meldung: Noch in diesem Jahr soll es eine vorbörsliche Plattform für Internetfirmen an der Frankfurter Börse geben – erstmals seit der Dotcom-Blase. Investoren und junge Unternehmen können in diesem geschützten Raum Daten und Fakten austauschen, bevor es wirklich an den Aktienmarkt geht. Das Segment ist auch auf das Engagement von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hin entstanden: Er ist seit seinem Amtsantritt für ein eigenes Start-up-Börsensegment eingetreten. „Er hat einfach nicht locker gelassen“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverband Deutsche Start-ups. Lange hatte sich die Deutsche Börse gegen den Vorschlag gewehrt, nun gibt es zumindest einen Kompromiss. „Wir finden das Ergebnis gut“, sagt Nöll.