Auf Fotos sieht Martin Szugat so aus, wie man sich einen Gründer vorstellt: Legeres Hemd, hoch gekrempelte Ärmel, die Haare halblang; er wirkt dynamisch und vor allem: jung. Auf den ersten Blick passte Szugat deswegen gut ins Bild, als das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Microsoft Deutschland heute ihre Studie über High-Tech-Gründer vorgestellt haben und Szugat über seine Erfahrungen als Jungunternehmer berichtete.

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Snipclip-Gründer Martin Szugat

Das Garchinger Startup Snipclip hat eine Technologie entwickelt, die digitale Inhalte in virtuelle Güter umwandelt. Sie ermöglicht Internetnutzern, Videoszenen und Bilder in Online-Alben zu sammeln und auszustellen; für die Anbieter der Inhalte soll so eine weitere Einnahmequelle entstehen. (Foto: Snipclip)

Aber Szugat, der das Garchinger Startup Snipclip gegründet hat, gehört eigentlich zu einer Minderheit: Nicht einmal jeder vierte High-Tech-Gründer ist wie Szugat jünger als 32 Jahre.

Das zeigt die Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland. Danach werden Deutschlands High-Tech-Gründer immer älter: 1995 waren sie noch im Schnitt noch 37,2 Jahre alt – inzwischen sind sie in der Regel Anfang 40. Und die Älteren gründen anders: Während junge Gründer häufiger Software- und IT-Start-ups aufbauen, entwickeln ältere Gründer ihre Geschäftsideen oft aus der Forschung heraus.

Der “Mythos des jungen High-Tech-Gründers”, der direkt nach dem Studium oder aus der Hochschule heraus gründet, müsse revidiert werden, so Forscher Georg Licht vom ZEW.

Und das ist ein Problem. Denn auch wenn Ältere heute häufiger gründen und dabei sogar oft Weltneuheiten entwickeln, geht der Abwärtstrend bei High-Tech-Gründungen in Deutschland weiter: Zwischen 1995 und 2008 ging die Gründungstätigkeit in den High-Tech-Sektoren laut ZEW und Microsoft bereits um 25 Prozent zurück.

Die Prognose der Forscher: Bis 2030 könnte die Zahl der Unternehmensgründungen hierzulande um zehn, bis 2050 um 20 Prozent sinken.

Schon jetzt sei die Lage “alarmierend”, sagte Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. Die Gründungsquote sei eine der niedrigsten im internationalen Vergleich. Der Venture-Capital-Markt in Deutschland sei eingebrochen, nur wenige Startups würden Business Angels finden. “Um das Silicon Valley Europas zu werden, brauchen wir nicht nur mehr Leidenschaft und Passion”, sagte Berg. “Wir müssen die Business-Angel- und Venture-Capital-Kultur widerbeleben.”

Berg fordert deswegen lautstark konkrete Maßnahmen von der Bundesregierung. So will er unter anderem, dass junge Technologieunternehmen in den ersten zehn Jahren von Steuern und Sozialabgaben befreit und Investitionen in Forschung und Entwicklung gefördert werden. Frankreich habe Erfolg mit einem ähnlichen Konzept. “Sonst verliert Deutschland langfristig den Anschluss an die führenden Industrie- und Innovationsnationen”.