Wer in Deutschland gründet, der hat häufig Schwierigkeiten ausreichend Kapital zu finden, sagt Ulrike Hinrichs, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

„Es ist noch sehr viel Saft in der Zitrone“ sagt Ulrike Hinrichs vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften im Interview und erklärt, wie man an diesen Saft herankäme. Ihr Lobbyverband fordert von der Politik ein Venture-Capital-Gesetz, um für potenzielle Kapitalgeber bessere Anreize zu schaffen. Denn wenn nicht bald etwas passiere, dann werden Innovationen nicht mehr in Deutschland vorangebracht, ist sich der BVK sicher – und das nur weil das Geld fehlt.

WirtschaftsWoche Gründer: Frau Hinrichs, gerade meldete der BVK in seiner jährlichen Investitionsstatistik ein kräftiges Investitionsplus in Deutschland. Gleichzeitig warnen sie aber vor einer Finanzierungslücke bei Gründerinvestments und fordern es müsse noch viel mehr Kapital für junge Start-ups geben. Warum?

Verglichen mit funktionierenden Venture-Capital-Märkten hat Deutschland in der Tat Nachholbedarf. Bei den gesamten Beteiligungsinvestitionen haben wir zwar einen starken Anstieg – vor allem bei der Finanzierung von Mittelstandsunternehmen, allerdings haben wir bei der Finanzierung von jungen Gründern sogar einen leichten Rückgang. Ziehen wir einmal den Vergleich zu den USA: Dort wurden in den vergangenen drei  Jahren 64 Milliarden Euro an Venture-Capital investiert. Hier in Deutschland sind es im gleichen Zeitraum aber nur zwei Milliarden Euro. Hier herrscht Zurückhaltung. Dies liegt auch an restriktiven Gesetzen.  Die meisten Versicherer engagieren sich so gut wie gar nicht auf dem Venture-Capital-Markt, sondern setzen etwa auf sichere Anlagestrategien wie Bundesanleihen.

Was muss in ihren Augen getan werden, um das zu ändern?

Das wichtigste ist, dass wir vor allem auf Seiten der Politik eine deutlich positivere Stimmung gegenüber den Gründern und auch gegenüber den Investoren brauchen. Viele Deutsche denken, dass man bei einer Unternehmensgründung  einfach zur Bank geht, einen Kredit aufnimmt und damit dann ein Unternehmen aufbaut.  Dabei wird übersehen, dass bei der Unternehmensgründung in erster Linie  Eigenkapital vonnöten ist.   Hier brauchen wir insgesamt ein stärkeres Bewusstsein und eine größere Offenheit.

Wenn die Politik heute von Gründern spricht, dann wird erst einmal immer über das Scheitern gesprochen. Erst kürzlich habe ich die Rede einer Wirtschaftsministerin eines Bundeslandes gehört, die lange davon gesprochen hat, dass wir eine Kultur des Scheiterns in Deutschland entwickeln müssten. Ich glaube, das wird den Gründern nicht gerecht! Wir haben hier sehr viele erfolgreiche  Start-ups und zukunftsträchtige Industrien, die sich derzeit aufbauen, die weit weg sind vom Scheitern. Im Gründen liegt erst einmal eine große Chance. Die Politik sollte darauf achten, wie man dieses Thema in die Gesellschaft trägt.