Übermäßige Bürokratie, schwierige Finanzierungsbedingungen, zu viel Regulierung? Trotz so mancher Schwierigkeit würden sechs von zehn Unternehmern wieder in Deutschland gründen.

Ist Deutschlands Ruf als Start-up-Land doch besser als man häufig hört? Eine aktuelle Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 300 Start-ups lässt das fast vermuten. Immerhin sechs von zehn Gründern (61 Prozent) sagen darin, dass sie erneut hierzulande gründen würden, wenn sie wieder vor der Entscheidung stünden – aller Widrigkeiten zum Trotz.

Wer rückblickend lieber außerhalb von Deutschland gründen würde, nennt dafür am häufigsten bessere Finanzierungsbedingungen im Ausland (68 Prozent), weniger Bürokratie (63 Prozent) und weniger Regulierung (61 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Gründe wie besserer Austausch mit anderen Startups (39 Prozent), besserer Zugang zu Personal (33 Prozent), größerer Binnenmarkt (32 Prozent), Nähe zu potenziellen Kunden (28 Prozent) und Nähe zu exzellenten Wissenschaftseinrichtungen (23 Prozent).

USA ist weiterhin beliebt

Traumort für Gründer jeder Branche ist weiterhin die USA. Immer wieder loben deutsche Unternehmer, die dort leben und arbeiten, die offene und leidenschaftliche Szene, in der es leicht sei Kontakte zu knüpfen und in der auch ein mögliches Scheitern nicht gleich das Aus bedeute, sondern vielmehr als wichtige Erfahrung verbucht werden. Immerhin 21 Prozent der Befragten könnten sich darum einen Neustart jenseits des Atlantiks gut vorstellen. Damit liegt der Anteil etwas über dem Ergebnis aus dem Vorjahr. Damals hatten kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gerade einmal 15 Prozent eine Gründung in den USA vorgezogen. Unter US-Präsident Barack Obama hatte der Wert 2016 noch bei 32 Prozent gelegen, nur 44 Prozent hätten sich damals wieder für Deutschland entschieden.

Andere Länder wie Estland, die Schweiz oder Israel werden als bevorzugte Start-up-Standorte dagegen nur vereinzelt genannt.

Verlässlichkeit und Stabilität

„Deutschland entwickelt sich nach und nach zu einer Start-up-Nation und bietet der Mehrheit der Gründer eine gute Ausgangsbasis, um ihre Geschäftsidee voranzubringen. Um Deutschland noch attraktiver für Gründer zu machen, muss die Bundesregierung bei der Digitalisierung rasch konkrete Ziele und Maßnahmen benennen, die über reine Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag hinausgehen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Das Beispiel der USA, die durch die politischen Entwicklungen für Gründer deutlich weniger attraktiv geworden sind, zeigt, wie wichtig stabile politische Rahmenbedingungen für Start-ups sind. Werte wie Verlässlichkeit und Stabilität haben den Wirtschaftsstandort Deutschland groß gemacht. Sie müssen wir erhalten und sie mit einem Mehr an politischer Dynamik und Agilität ergänzen.“