Manfred Krikke ist Partner beim Investor HPE Growth Capital, einem der größten Geldgeber der deutschen Start-up-Szene in diesem Jahr. Im Interview erzählt er über eine neue Ära bei Gründern in Deutschland: sie setzen auf langsameres Wachstum und mehr Profitabilität.

HPE Growth Capital ist ein Investor, der in diesem Jahr für Aufsehen in der deutschen Start-up-Szene gesorgt hat: Allein im ersten Halbjahr 2016 investierte HPE rund 60 Millionen Euro in deutsche Jungunternehmen. Die Amsterdamer Venture-Capital-Firma beteiligte sich an eGym, einem Hersteller von vernetzten Fitnessgeräten, und an AEVI, einem Unternehmen aus Paderborn, das Transaktionsplattformen für das mobile Bezahlen baut. Außerdem gehört der Hamburger Kreditvermittler Kreditech zum HPE-Portfolio.

Manfred Krikke ist Partner bei HPE und verwaltet gemeinsam mit den drei anderen Partnern ein Fondsvolumen von mehr als 320 Millionen Euro. Krikke konzentriert sich vor allem auf die deutsche Gründerszene.

Er wuchs in den Niederlanden auf, studierte BWL und arbeitete 16 Jahre in den USA; zunächst für eine Investmentbank in San Francisco, die Technologie-Unternehmen mit Wachstumskapital versorgte, dann als Gründer einer Softwareschmiede und schließlich als Investmentmanager bei Texas Pacific Group (TPG), einer der größten Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Welt. Dort half er 16 Unternehmen bei ihrem Börsengang an die Technologiebörse Nasdaq.

Herr Krikke, wie finden Sie das nächste große Ding, bevor es ein anderer findet?

Wir haben ein Team von Leuten, die Marktübersichten erstellen und tief in die verschiedenen Bereiche der Technologiebranche eintauchen. Dann versuchen wir, Trends zu finden und fragen uns, welche Investmentstrategie dazu passen könnte. Und danach gehen wir auf bestimmte Unternehmen zu und treffen so viele wie möglich persönlich.

Wie viele Ideen hatten Sie in diesem Jahr schon auf dem Schreibtisch?

In unserer Datenbank sind 8.500 Unternehmen, mit denen wir in den vergangenen acht Jahren Kontakt hatten. Die meisten davon sitzen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Ungefähr 800 davon verfolgen wir sehr intensiv und hoffen, dass sie eines Tages so weit sind, dass wir mit Wachstumskapital weiterhelfen können.

Wirklich investiert haben Sie in den vergangenen Jahren nur dreimal in Deutschland. Warum mussten Sie so häufig „Nein“ sagen?

Einer der häufigsten Gründe ist: Die Wachstumspläne des Unternehmens basieren auf Annahmen, die uns nicht einleuchten. Also glauben wir nicht, dass die Pläne aufgehen. Und oft sehen wir Unternehmen mit tollen Teams und guten Plänen, bei denen aber leider die Rendite zu dem geforderten Preis für die Unternehmensanteile für uns zu niedrig wäre.

 

 

Wo liegt der Fokus bei Ihren Investitionen?

Wir wollen vermeiden, dass auch nur eins unserer Investments Pleite und das Geld damit verloren geht. Deswegen konzentrieren wir uns auf Unternehmen, die sich bereits am Markt bewährt haben und im Idealfall bereits profitabel sind.

Wofür brauchen solche Firmen denn Wagniskapital?

Wir investieren in Unternehmen im Bereich Technologie. eGym und AEVI, an denen wir seit diesem Jahr beteiligt sind, produzieren vernetzte Fitnessgeräte beziehungsweise mobile Zahlungssysteme. Um das zu skalieren, braucht man Geld. Wir versorgen Unternehmen, die mindestens 10 Millionen Dollar Umsatz im Jahr machen, mit frischem Kapital. So helfen wir ihnen, Marktführer in ihrem Segment zu werden. Vor allem in Europa gibt es großen Bedarf an stetigem Wachstumskapital. Das brauchen junge Unternehmen, wenn sie sich nach den ersten kleinen Finanzierungsrunden dem globalen Wettbewerb stellen wollen.

Die meisten Start-ups schreiben in der Wachstumsphase allerdings Verluste.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Das Unternehmen muss nicht profitabel sein, das Geschäftsmodell schon. Für uns ist es in Ordnung, wenn die Start-ups nicht länger als 12 bis 18 Monate nach unserem Investment rote Zahlen schreiben.