Im Windschatten des Drohnen-Erfolgs profitiert der Anbieter von Abwehrtechnik. Jetzt kooperiert das Start-up Dedrone auch mit einer Airbus-Tochter.

Es war eine Begegnung der unangenehmen Art: Auf zehn Meter hatte sich vor zwei Wochen eine Drohne einem Passagierflugzeug genähert, das sich im Landeanflug in München befand. Der Vorfall ging glimpflich aus, befeuerte aber die Diskussion um die Sicherheit am Himmel. Denn mit dem Erfolg von Drohnen wird es dort immer wieder enger. Gute Wachstumschancen also nicht nur für die Anbieter von Flugsystemen, sondern auch für die, die den Himmel überwachen wollen.

Für mehr Sicherheit hat sich jetzt das in Deutschland gegründete Start-up Dedrone mit einer Tochter des Airbus-Konzerns zusammengetan: „Unser Produkt ist auf die Detektion im städtischen Umfeld spezialisiert, Airbus mit seinem Radar auf die Ferne“, sagt Dedrone-Mitgründer und Geschäftsführer Jörg Lamprecht, „gemeinsam können wir einen Flughafen somit komplett abdecken.“ Bereits Ende des Jahres sollen die ersten kombinierten Systeme aus Kameras, Funkpeilgeräten und Störsendern erhältlich sein. Nicht nur für Flughäfen, auch für Großveranstaltungen oder die Absicherung von Kraftwerken oder Gefängnissen sollen die Produkte interessant sein.

Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit zwischen Dedrone und Airbus DS Electronics and Border Security (EBS) auch eine große Herausforderung für das Start-up selbst. Denn mit dem Deal stoßen zwei ungleiche Partner zusammen: Auf der einen Seite das junge Unternehmen mit knapp 40 Mitarbeitern und etwa fünf Millionen Euro Jahresumsatz in 2015, auf der anderen Seite die Konzern-Tochter, die bald mehrheitlich von einem US-Investor übernommen wird, mit einer Milliarde Umsatz und 4000 Mitarbeitern.

Ungleiche Größe, gleiche Augenhöhe

Zweifel gab es trotzdem nicht: „Im Falle von Airbus war schnell klar, dass sich unsere Systeme perfekt ergänzen“, so Lamprecht. In beiden Unternehmen arbeiten Entwicklerteams an dem gemeinsamen Produkt, ergänzt durch regelmäßige persönliche Treffen. „Sicherlich sind die Strukturen und Prozesse in einem Großkonzern anders als in einem Unternehmen unserer Größenordnung“, sagt Lamprecht, „das ist beiden Seiten aber klar, und die Zusammenarbeit funktioniert bisher einwandfrei.“

Das Unternehmen hatte zum Jahreswechsel sein Hauptquartier aus Hessen an die amerikanische Westküste verlagert. Die Ingenieure bleiben vor Ort in Kassel, auch weil Fachkräfte hier noch einfacher zu begeistern sind als im hoch umkämpften Silicon Valley. Gleichzeitig sei der Austausch mit großen Unternehmen und möglichen Technologiepartnern in den USA deutlich einfacher. „Wir sind inzwischen sehr gut in San Francisco vernetzt“, sagt Lamprecht nach dem ersten halben Jahr in Amerika. Sieben Mitarbeiter arbeiten aktuell im dortigen Büro, bis zum Jahresende sollen es zehn sein.

Ein Indiz für die sanfte Landung: Bereits im Mai gab es zehn Millionen US-Dollar Venture Capital von einem Investor aus dem Silicon Valley. Und eine weitere Anerkennung konnte das Unternehmen in der vergangenen Woche vermelden: In dem weltweiten Wettbewerb „Global Innovation Award“, bei dem Investoren vielversprechende Start-ups nominieren durften, belegten die Drohnen-Detektive den 4. Platz.