Dawanda, der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, wird in zwei Monaten eingestellt. Kunden und Verkäufer sollen zum US-Konkurrenten Etsy wechseln.

Es war die Meldung des Wochenendes – wenn auch keine gute: Dawanda, der Online-Marktplatz für Selbstgemachtes, Material und Do-It-Yourself-Anleitungen wird eingestellt. Und das bereits Ende August. Davon berichtete zuerst das Magazin Deutsche Startups, Dawanda bestätigte die Gerüchte kurz darauf auf seinem Blog.

Genau ein Jahr ist es her, dass Dawanda schon einmal mit Negativmeldungen in den Schlagzeilen landete: Damals entließ das Berliner Start-up ein Viertel seiner Mitarbeiter in der Berliner Zentrale sowie in den internationalen Büros. Betroffen waren alle Bereiche, hauptsächlich aber das Marketing und administrative Funktionen.

Ziel hinter dem Schritt war es das Wachstum voranzutreiben. In der Krise sei das Unternehmen jedoch nicht, das Geschäftsmodell funktioniere weiterhin, betont damals Claudia Helming, Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda.

Stagnierendes Wachstum

Im Februar dieses Jahres ließ Dawanda dann verlauten, dass der Plan aufgegangen sei und man im Herbst 2017 die schwarzen Zahlen erreicht habe. Insgesamt blieb das Portal jedoch im Minus. 2017 schloss Dawanda mit einem Verlust von einer Million Euro ab – nach vier Millionen Euro Minus im Vorjahr.

Umso mehr überraschte die Meldung über das Ende. Claudia Helming begründete die Entscheidung ausführlich auf dem Blog des Portals: “Wir haben im letzten Quartal 2017 die Profitabilität erreicht und seither kostendeckend gearbeitet. Gleichzeitig mussten wir uns eingestehen, dass unser Wachstum stagniert und wir es aus eigener Kraft kaum schaffen können, die Zahl der Verkäufe auf unserer Plattform im gewünschten Maße wachsen zu lassen – auch unsere Umstrukturierung im vergangenen Jahr konnte dies nicht ändern. Die E-Commerce-Landschaft hat sich in den letzten Jahren sehr verändert, unser Geschäftsmodell stößt zunehmend an seine Grenzen. Und wir haben es nicht geschafft, ausreichend neue innovative Ideen umzusetzen.”

Kunden und Verkäufer reagieren schockiert

Kunden und Verkäufer wird empfohlen zum 2005 in New York gegründeten Konkurrenten Etsy zu wechseln. Etsy und Dawanda haben gemeinsam ein “Tool” für Verkäufer entwickelt, mit dem diese mit wenigen Klicks ihre Artikel an Etsy übertragen können.

Das börsennotierte Unternehmen übernimmt Dawanda jedoch nicht. Es würden keine Anteile verkauft, heißt es, auch Helming erhält kein Geld, dafür aber eine Gegenleistung, die allerdings geheim bleibt.

Die aktuell 150 Mitarbeiter werden entlassen, ein Drittel von ihnen soll in den kommenden Monaten vorübergehend den Übergang auf die Etsy-Plattform betreuen. Claudia Helming wird eine Zeitlang noch als Beraterin für Etsy arbeiten.

Kunden und Verkäufer zeigen sich in den Kommentaren auf dem Dawanda-Blog enttäuscht und empört, viele fürchten um ihre Existenz. Warum man von der Geschäftsaufgabe durch die Medien habe erfahren müssen, so der Vorwurf. Und: Etsy sei kein adäquater Ersatz für Dawanda.