Businesspläne sind nutzlos. In „Richtig dicke Fische angeln“ räumt Sven von Loh mit dem Vorurteil auf, dass bei einer Gründung alles durchgeplant sein muss.

Es ist nicht das erste Buch von Sven von Loh, Start-up- und Venture-Capital-Experte aus Düsseldorf. In „Richtig dicke Fische angeln“ stellt der Autor in insgesamt zwölf Kapiteln einen Bewertungs – und Finanzierungsleitfaden für Start-ups und Investoren vor. Die Finanzierung ist Sven von Loh eine Herzensangelegenheit – und das merkt man dem Buch auch an: So gibt der Experte, der seit 2007 Investoren und Start-ups bei Finanzierungen berät, Tipps, wie der Gründer, aber auch der Investor finanzielle Risiken frühzeitig erkennt – und wie eine Idee auf sichere Füße gestellt wird.

Um am Markt erfolgreich zu sein, brauchen Gründer nicht nur eine klare Strategie, sondern auch ein funktionierendes Team, in dem jeder kreative Freiheiten hat, schreibt der Autor. Denn als eines der größten Probleme der deutschen Gründungskultur sieht Sven von Loh die fehlende Experimentierfreudigkeit – und greift dabei auch bestehende Beratungen, etwa in Universitäten, an. Dort säßen selten Menschen, die selbst Gründungserfahrung haben. Sie ließen sich nur selten von innovativen Ideen überzeugen, sondern setzten viel mehr auf traditionelle Vorhaben. Ein erfolgreicher Gründer, so von Loh, sei aber derjenige, der Trends frühzeitig erkennt und auf dieser Basis disruptive Produkte entwickelt, und diese am Markt etabliert. Er müsse außerdem flexibel auf Veränderungen reagieren, konservativ planen, aber dennoch mutig und selbstkritisch agieren.

Vorbild Tesla – aus Mangel an Alternativen

Ein Beispiel dafür sei etwa der US-amerikanische Unternehmer Elon Musk, der mit dem Elektroautohersteller Tesla mehrere Ideen am Markt etablierte, etwa das erste Auto mit einer Batterie aus Lithium-Ionen-Zellen. Tesla nennt der Autor mehrfach in seinem Buch, wohl auch aus Mangel an Alternativen, die seine Ideal-Vorstellung einer Gründung erfüllen.

Er zeigt aber noch ein ganz anderes Problem, das er auch deutlich kritisiert: die Gründungskultur in Deutschland. Vorreiter gebe es nur wenige. Als Positivbeispiele nennt er etwa das Berliner Start-up Qinous oder das Münchner Unternehmen Entelios. Qinos hat ein Energiespeichersystem entwickelt, das auch entlegene Orte oder Insel mit erneuerbaren Energien versorgen kann, während Entelios das Stromnetz intelligent steuern möchte, um erneuerbare Energien stärker zu fördern. Aber es fehlen wirkliche Gründungspersönlichkeiten, wie etwa Steve Jobs und politische Rahmenbedingungen, die die Gründungskultur eher untersützen als behindern. Die digitale Agenda der Bundesregierung sei ein erster Schritt, Deutschland als Investitionsstandort attraktiv zu machen. Aber es passiere noch zu wenig.