Die beiden Informatiker sehen auch danach noch viel Forschungsbedarf zum Self-Tracking. „Wir sind aus meiner Perspektive erst am Anfang einer Ära“, sagt Boll-Westermann. Bisher messen die Geräte und Apps meist nur einzelne Werte, die man selbst interpretieren muss. „Der nächste große Schritt ist, die Daten verschiedener Geräte zu vernetzen und dann daraus Empfehlungen abzuleiten“, sagt der Gesundheitsberater Florian Schumacher, der 2012 die Online-Community „Quantified Self“ in Deutschland gegründet hat.

So könnte das System frühzeitig Alarm schlagen, wenn man über einen längeren Zeitraum schleichend Gewicht zunimmt oder sich Blutwerte verändern. Oder es könnte einen ermutigen, heute mal eine Haltestelle früher auszusteigen und den Rest zu laufen oder ein paar Liegestützen mehr zu versuchen. Doch wie kann das gelingen? „Gerade beim Sport ist der Ton entscheidend“, meint Schumacher. Und natürlich der richtige Moment. Forscher nennen diesen den „Meaningful Moment“ – der Zeitpunkt, an dem man sich letztendlich entscheidet.

Um diesen zu finden, bereiten Boll-Westermann und Meyer bereits eine weitere Studie vor. Diese soll voraussichtlich im Juni starten. In ihr wollen sie Testpersonen motivieren, kleine Übungen in den Alltag zu integrieren. Ein Signal soll sie daran erinnern. „Die Frage ist wann: wenn der Zeitpunkt gekommen ist, kurze Zeit vorher oder schon morgens beim Frühstück?“, sagt Meyer.

Gesundheitsexperten sehen darin ein großes Potenzial, warnen aber vor zu viel Technikgläubigkeit. „Bewegung ist gut. Es ist aber ein Irrglaube, dass genügend Sport und gesunde Ernährung alle Krankheiten verhindern können“, sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin. Self-Tracking könne eine Motivation sein, einen aber auch verunsichern. „Nicht jedes Ausreißen von Werten ist eine Gefahr.“ Bei Auffälligkeiten empfiehlt sie deshalb, lieber zum Arzt zu gehen anstatt gleich zu Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen.