Nichts weniger als das Eis der Zukunft will das Berliner Start-up Kyl anbieten. Die Nachfrage von Interessenten und Investoren ist enorm, nun wird endlich die Serienproduktion vorbereitet. 

Ob Elektroautos, Touchscreens oder Sprachsteuerung – Science-Fiction-Filme nehmen viele Neuerungen vorweg. Nur auf kulinarischem Gebiet bleiben die Zukunftsvisionen erstaunlich fad. So fragte sich David Marx mehrfach, welches Eis eigentlich die Helden in Matrix oder Minority Report essen würden? Und hat das „Eis der Zukunft“ einfach selbst erfunden. Großspurig bezeichnet er seine Entwicklung als „größten Schritt in der Evolution der Eiscreme seit der Erfindung im alten China“.

Doch in der Tat unterscheidet sich das Kyl genannte Eis fundamental von von Magnum & Co. und sieht zudem futuristisch aus: Marx´ Kreationen haben meist abstrakte geometrische Formen, die pyramidenförmigen Waben sind schon mal pechschwarz. Dabei setzt Marx auf natürliche Zutaten, gefärbt wird die lakritzartige Eisvariante am Stil mit Tintenfischtinte und Rohasche.

Zutaten werden schockgefroren

Für die Rezepturen arbeitet Marx mit Avantgarde- und Sterneköchen wie Juan Amador zusammen. Um die futuristischen Formen zu bekommen bedient er sich Methoden der Molekularküche: Das Eis wir mit flüssigem Stickstoff bei –196 Grad schockgefroren, das erzeugt einerseits spektakuläre Nebelschwaden, erhält aber vor allem die Zutaten in natürlichem Zustand. „Es gehen keine Zellen kaputt“, sagt Marx. So wie bei gefrorenen Blutkonserven oder Spermien, die nach dem Auftauen weiterleben, blieben die Zutaten erhalten. Grund ist vor allem, dass keine Eiskristalle entstehen. Dadurch benötigt das Moleküleis auch weniger Zucker, Luft und Fett, die vor allem für die Konsistenz nötig sind und erhält eine andere Textur.

Allerdings produzierte Kyl das Eis bislang nur für besondere Veranstaltungen wie den Ball der Wirtschaft, Filmpremieren, Modenschauen oder zuletzt die World Science Gala in New York. „Wir können unser Eis leider noch nicht deutschlandweit liefern“, sagt Marx. Doch das soll sich bald ändern. Die Firma will jetzt in Berlin eine Fabrik aufbauen, im November soll sie öffnen. Partner ist dabei die auch am Unternehmen beteiligte Broser GmbH, ein Spezialist für Stickstofftechnik.

100.000 Euro in 24 Stunden

Geld sammelt Kyl derzeit auf der Crowdfunding-Plattform Companisto. Die erhofften 100.000 Euro kamen schon innerhalb von 24 Stunden zusammen. Marx würde die Höchstsumme noch bis auf maximal 350.000 Euro erhöhen, „mehr wollen und brauchen wir gar nicht“.

Im kommenden Jahr soll das Eis dann mit ausgewählten Partnern und auch online vertrieben werden. „Die Nachfrage macht uns fertig“, sagt Marx. So gebe es zahlreiche Anfragen von großen Hoteliers und Caterern. Danach will Marx auch den US-Markt erobern. Ein wichtiger Türöffner hat sich bereits beim ihm als Unterstützer gemeldet: John Lika, ehemaliger Marketingchef von Ben & Jerrys.