Dan Lyons heuerte beim Start-up Hubspot an – und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen.

Dan Lyons ist ein US-Buchautor und Journalist. Als er 2012 seine Festanstellung verliert, beschließt er, die Branche zu wechseln, und bewirbt sich beim Start-up Hubspot um eine Marketingstelle. Dort fällt es ihm allerdings schwer, sich für die kultartige Firmenphilosophie zu begeistern. Nach eineinhalb Jahren zwischen Großraumbüro und Trinkspielen beginnt er, über seine Erfahrungen ein Buch zu schreiben. Heute sagt Lyons: „Ich habe diese Leute in meinem Buch als einen Haufen idiotischer Schlaftabletten beschrieben. Dabei sind sie noch ganz gut weggekommen. Eigentlich glaube ich, sie sind viel schlimmer.“

WirtschaftsWoche Gründer: Mister Lyons, als Wirtschaftsjournalist sollten Sie sich mit der amerikanischen Start-up-Welt auskennen. Warum hat Sie die Arbeit dort überrascht?

Dan Lyons: Ich dachte, ich sei ein Experte, aber ich habe schnell herausgefunden, dass ich keiner bin. Wenn man über Technologie und Start-ups schreibt, gibt einem das nur ein sehr begrenztes Verständnis dafür, wie solche Unternehmen tatsächlich funktionieren. Ich wollte schon immer sehen, wie es wirklich in der Branche zugeht – nicht nur zu Besuch kommen und den CEO interviewen. Der Alltag im Unternehmen war ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte.

Inwiefern?

Mein Bild basierte auf dem Zustand bei Microsoft in den Achtziger- oder Neunzigerjahren. Die Unternehmenskultur war damals vom Kampfgeist geprägt, die Menschen stritten und debattierten. Deshalb war ich sehr überrascht, bei Hubspot eine Kultur vorzufinden, in der kein Widerspruch geduldet wurde. Ich war vorher noch nie an so einem Ort: Alle sahen gleich aus, egal, welche Position sie innehatten, alle waren weiß und in ihren Zwanzigern.

Eigentlich sollten Sie dort lernen, mit einer neuen Software umzugehen …

… ja, aber zusätzlich gab es eine Art Gehirnwäsche. Uns wurde erzählt, was es heißt, „hubspotty“ zu sein, und dass wir alle so glücklich sein können, einen Job in der Firma bekommen zu haben. Es habe Tausende anderer Bewerber gegeben, aber wir hätten die Stelle bekommen, wegen unserer „Superkräfte“. Ich erinnere mich, dass Andrew, ein Mitarbeiter aus der Personalabteilung tatsächlich sagte: „Diese Firma hat mein Leben verändert.“

Zumindest hier in Europa ist Hubspot allerdings relativ unbekannt.

Das ist ein sehr wichtiger Punkt: Niemand kennt Hubspot. Selbst ich hatte nie von diesen Jungs gehört, und das, obwohl ich in Boston wohne, wo die Firma ihren Hauptsitz hat, und über Technologie schreibe. Deshalb war ich so verwundert, als ich bei Hubspot all diese Leute traf, die wirklich glaubten, sie gehörten zu einem großen, mächtigen Unternehmen, zu dem alle aufschauen. Eigentlich verkauft Hubspot Marketingsoftware – im Grunde ziemlich banales Zeug.