Die Stuttgarter holen Partner wie Porsche oder ZF Friedrichshafen in ihr Förderprogramm Start-up-Autobahn.

Der Autobauer Daimler will Start-ups eher fördern als sie zu kaufen. „Wir wollen, dass die Start-ups lebendig bleiben“, sagte Forschungschefin Anke Kleinschmidt. „Wir wollen den Nährboden bieten.“ Deshalb habe der Autobauer in sein Förderprogramm „Start-up Autobahn“ jetzt auch neue Partner wie HP Enterprise, Porsche, BASF oder ZF Friedrichshafen ins Boot geholt.

Daimler hatte das Projekt im vergangenen Jahr ins Leben gerufen, um von den Ideen kleiner Firmen zu profitieren. Der Autohersteller unterstützt dabei Gründer zusammen mit der Universität Stuttgart und einem Investor aus dem Silicon Valley.

Die seit 2016 laufende erste Runde fand vergangenen Donnerstag in Stuttgart ihren Abschluss: Von ursprünglich 300 Bewerbern schaffte es ein gutes Dutzend ins Finale, in dem sie sich potenziellen Geldgebern präsentieren. Aufgabe der Industriepartner ist es, zusammen mit der Universität Stuttgart und einem US-Risikokapitalgeber, den Kandidaten drei Monate lang ideale Arbeitsbedingungen zu bieten.

Sie können Räume, Computer und Maschinen nutzen und werden von Experten gecoacht oder zu Rechts- und Finanzfragen beraten. Ins Finale schaffte es etwa ein Startup aus Israel, das mit neuer Projektionstechnik Autoscheiben zu Werbeflächen macht. Ein weiteres Unternehmen hat bereits mit Autokonzernen Apps zu Parkplatzsuche und elektronischer Abrechnung der Parkhausgebühren entwickelt.

Die sechs Förderunternehmen aus der Industrie könnten künftig selbst in die Nachwuchsfirmen investieren. “Ich bin mir sicher, dass wir mit einigen Teilnehmern auch in Zukunft kooperieren”, erklärte Daimlers Entwicklungschef Ola Källenius. So könnten Innovationen in der Autoindustrie zu neuen Mobilitätsangeboten vorangetrieben werden.

„Es ist nicht unser primäres Ziel, Start-ups zu kaufen – das ist auch nicht Ziel des gesamten Programms“, sagte Kleinschmidt. „Das heißt natürlich nicht, dass wir nie eines kaufen werden.“ Es gebe aber eben Start-ups, die Unternehmergeist und Kundensicht haben, so Kleinschmidt. „Das sind Eigenschaften, die wir brauchen.“

„Wir sind ein sehr stabiler, erfolgreicher Tanker“, sagte die Daimler-Forschungschefin. Aber: „Wir arbeiten nicht mehr in dem Tempo wie die vergangenen 130 Jahre. Folglich müssen wir uns auch als Konzern ändern.“ Das Engagement soll dem Unternehmen selbst helfen, seine Kultur zu ändern. „Wir wollen eine Innovationskultur aufbauen“, sagte Kleinschmidt. „Und man wird die gesamte Entwicklungszeit auch noch einmal auf den Prüfstand stellen müssen.“ Das betreffe Produkte und Prozesse. „Wir wollen Gründergeist lernen.“