Wer beim Crowdfunding wenig Fans anlockt, für den könnte Crowdlending die ideale Alternative zur Bankfinanzierung sein. Gerade für Start-ups sehen Experten hier eine gute Finanzierungsmöglichkeit.

Auf Crowdlending-Plattformen können Privatleute und Unternehmer bei jedermann um Darlehen bitten. Das System ist vergleichsweise einfach: Wer einen Kredit haben möchte, stellt sich und sein Projekt auf der Plattform vor, in dem er möglichst genau beschreibt, wofür das Geld gebraucht wird und welche Zinsen dem Geldgeber winken. Jeder potenzielle Kreditgeber kann sich dann aussuchen, wen er finanziert. Die Plattformgebühren übernimmt meist der Kreditnehmer. Dadurch kann Lieschen Müller die Küche oder Büroausstattung für eine Firmengründung finanzieren.

„Crowdlending ist genau das, was Banken auch machen – nur schneller, effizienter und wahrscheinlich etwas besser“, so beschreibt Karsten Wenzlaff die Schwarmkreditvergabe. Der Geschäftsführer des Instituts für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) und Vorstand des Crowdsourcing Verbands spricht von „einem neuen Spieler am Finanzierungsmarkt, den man nicht unterschätzen sollte“.

In der Regel sind es kleinere und mittelständische Unternehmen, die sich über Crowdlending kleinere Kredite finanzieren. Dabei ist der Markt unter Schwarmfinanzierungen der Größte: Während das bisherige Finanzierungvolumen vom Deutschen Crowdsourcing Verband im Oktober 2014 auf 150 Millionen Euro geschätzt wurde, liegen die anderen Modelle deutlich darunter. Equity-Based Crowdfunding – also Crowdinvesting, bei dem die Finanziers Anteile erwerben – lag demnach nur bei rund 50 Millionen Euro,  das Volumen von Reward-based Crowdfunding – also Crowdfunding-Portale wie Startnext oder VisionBakery – schätzten die Experten gerade mal auf 20 Millionen Euro.

Karsten-Wenzlaff

Karsten-Wenzlaff

Für Kreditnehmer lohnt sich Crowdlending, weil sie schnell an Geld kommen. Insbesondere ist es für Gründer eine Chance, ihre Finanzierung kurzfristig zu sichern. „Wenn ein Start-up noch nicht aus eigenen Mitteln finanziert werden kann, dann ist Crowdlending eine Option, um eine externe Finanzierung einzuwerben“, sagt Claas Beese, Gründerberater und Gründer der Crowdlending-Plattform Finmar.