Der Marktführer für Crowdfunding etabliert sich langsam auch in Deutschland. Doch die Branche musste zuletzt zwei große Pleiten verkraften.

Die weltweit größte Finanzierungsplattform Kickstarter hat in Deutschland im vergangenen Jahr 13,6 Millionen Euro für Crowdfunding-Projekte eingesammelt. Das teilte das Unternehmen heute mit. Damit wächst der Umsatz in Deutschland um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das amerikanische Unternehmen ist seit Mai 2015 in Deutschland verfügbar.

Allerdings sind die Projekte auf der Plattform nur in einem von drei Fällen erfolgreich: 1.162 Projekte wurden 2016 auf der Plattform deutschlandweit gestartet, nur 354 erreichten das Finanzierungsziel. Nach Angaben des Branchendienstes für-gründer.de spielten Crowdfunding-Projekte für deutsche Start-ups von Januar bis September 2016 rund 20 Millionen Euro ein. Marktführer in Deutschland ist die Plattform Startnext mit Sitz in Dresden.

Das Investieren von Projekten durch Kleinanleger (Crowdfunding) boomt: 2009 gegründet, investierten Mikrofinanzierer bei Kickstarter nach eigenen Angaben bisher mehr als 2,8 Milliarden Dollar auf der Plattform und finanzierten damit mehr als 118.000 Projekte erfolgreich.

In Deutschland ist der Markt noch deutlich kleiner. Das durchschnittlich finanzierte Projektvolumen auf den großen Plattformen wie Startnext und VisionBakery liegt bei 5.000 bis 8.000 Euro, schätzt eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesfinanzministeriums. Die Anzahl der bei den einschlägigen Plattformen in Deutschland beschäftigten Mitarbeitenden wird für das Jahr 2015 auf rund 230 Personen geschätzt. Große Spieler auf dem deutschen Markt sind außerdem Seedmatch und Companisto.

Allerdings gibt es auch Pleiten in der Branche: Das deutsch-österreichische E-Bike-Startup Freygeist hat Anfang des Jahres Insolvenz angemeldet. Damit droht die bislang größte Crowdfunding-Pleite in Deutschland: 2015 hatte das Unternehmen 1,5 Millionen Euro von 1107 Anlegern über die Berliner Crowdfunding-Plattform Companisto eingesammelt, in weniger als 100 Tagen. Derzeit streiten sich Gesellschafter und Geschäftsführer über die Medien darüber, wer Schuld an der Pleite hat. Das Problem für die Crowdfunder: Bei den Investorengeldern handelt es sich um sogenannte nachrangige Darlehen, die erst dann bedient werden, wenn alle anderen Gläubiger ausbezahlt wurden.

Auch in den USA gab es kürzlich eine große Pleute: Die Lily Drone – eine kleine, wasserdichte Kameradrohne – sammelte 34 Millionen US-Dollar auf der Plattform Indiegogo ein. Anfang 2016 sollte das Produkt auf den Markt kommen. Doch daraus wird nichts. Wie die beiden Gründer jetzt bekanntgaben, sei zu wenig Geld übrig, um nach all der Forschung und Entwicklung die Geräte herzustellen. Jetzt beteuert das Unternehmen, das übrig gebliebene Geld innerhalb der nächsten zwei Monaten zurückzuzahlen.

Immerhin: Betrug scheint in der Branche eher selten zu sein. In nur einem von Tausend der erfolgreich finanzierten Projekte auf Kickstarter und Indiegogo verfolgten die Anbieter betrügerische Absichten. Das zeigt ein aktuelles Diskussionspapier über Crowdfunding für das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb.

Allerdings kommt es bei der Lieferung des finanzierten Produkts häufig zu Verzögerungen. Ungefähr drei Viertel der Artikel erreichen die Mikrofinanzierer zum Teil mit erheblicher Verspätung, heißt es in einer Studie eines amerikanischen Management-Professors.

In Deutschland wird die Branche dieses Jahr weiter wachsen: Die GLS Bank wird im März eine eigene Crowdinvesting-Plattform eröffnen. Und Seedrs, eine britische Startup-Crowdinvesting-Plattform, eröffnete kürzlich eine Repräsentanz in Berlin.