Der Markt für Bürogemeinschaften in Großstädten ist hart umkämpft. Nun erhöhen zwei internationale Konkurrenten den Druck.

Zwischen klappernden Kaffeetassen und Menschen, die sich angeregt unterhalten, sitzt die 25-jährige Gerontologin und Fachjournalistin Carolin Makus am liebsten. Die Lautstärke im Café des Berliner Betahauses macht ihr nichts aus. Sie hat keinen festen Arbeitsplatz und sitzt mal zwischen Start-ups, die an einer neuen App arbeiten, mal neben Künstlern, die eine virtuelle Galerie entwickeln. Die Wände sind hell, Licht fällt durch große Fenster, und von der Decke hängen bunte Lampen. „Ich bin im Coworking Space produktiver als zu Hause. Tiefe Schaffensprozesse bereite ich im Kopf vor. Vor Ort funktioniert dann aber die gezielte Umsetzung und Weiterentwicklung im Team sehr gut, weil sich die Leute gegenseitig motivieren.“

Anschluss, Inspiration, Synergien

In den zwei vergangenen Jahrzehnten stieg die Zahl der Freiberufler und Selbstständigen in Deutschland mehr als verdoppelt. Der Bundesverband der Freien Berufe zählte 2014 1,27 Millionen Selbstständige, so viel wie nie zuvor. Weil viele von ihnen, wie Carolin Makus, zwar alleine wirtschaften, aber nicht unbedingt immer alleine arbeiten wollen, boomen Einrichtungen wie das Betahaus in Berlin: Coworking-Räume, in denen Selbstständige erhalten, was sonst im Einzelkämpferalltag fehlt: Anschluss, Inspiration, Synergien.

Weil diese Form des Arbeitens gerade unter jungen Kreativen so beliebt ist, wächst in Deutschland auch das Geschäft mit dem Anbieten solcher Räume. Und nun erreicht es eine neue Dimension: In Kürze eröffnet in Berlin der US-Anbieter WeWork. Das Start-up errichtet in der Nähe des Hackeschen Marktes eine von zwei Filialen und will hier den deutschen Coworking-Anbietern Konkurrenz machen. Neben WeWork hat auch das israelische Mindspace Anfang April einen Bürokomplex in Berlin eröffnet, Hamburg soll in der kommenden Woche folgen – beide in exklusiver Lage.