Ein neuer Fonds will bis zu 500 Millionen Dollar in Finanz-Start-ups investieren. Gesucht wird weltweit – doch auf Deutschland liegt ein besonderes Augenmerk. Die Wahl des Standortes könnte manche Region ärgern.

Volle Taschen für wachsende Finanz-Start-ups: 250 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 216 Millionen Euro, will der neu gegründete Risikokapitalfonds Corviglia Capital alleine in den kommenden drei Jahren in Fintechs investieren. Soviel Kapital ist nach Angaben des Fonds bereits zusammen. Insgesamt soll der Investment-Topf auf 500 Millionen Dollar anwachsen.

Hinter dem neuen Verhikel stehen Petr Šmída und Cezary Smorszczewski, die sich vor allem in Osteuropa bereits seit vielen Jahren in der Private-Equity- und Gründerszene einen Namen gemacht haben. Smorszczewski war etwa Mitgründer der polnischen Alior Bank. Das bislang eingesammelte Kapital stammt nach Angaben von Corviglia von institutionellen Geldgebern aus der Europäischen Union – für weitere „seriöse Investoren“ sei man jedoch offen.

Zielgruppe des Fonds sind laut Pressemeldung „etablierte Fintechs“, also Start-ups, die ihre Produkte bereits auf einem Markt eingeführt und ihr Geschäftsmodell erprobt haben. Dazu passt auch die Bandbreite der Summe, die Corviglia investieren will. Geplant sind Minderheitsbeteiligungen zwischen zehn und fünfzig Millionen Dollar.

In der jüngeren Vergangenheit waren das Summen, die Fintechs eingesammelt haben, um intensiv in eine landesweite Marketingkampagne zu starten oder bereits weitere Länder ins Visier zu nehmen. Finanzierungen am unteren Ende dieser Größenordnung schlossen zuletzt etwa das Factoring-Start-up Decimo oder Fincompare ab.

Wettkampf um die „Fintech-Haupstadt“

Der neue Fonds betont, dass er weltweit nach möglichen Beteiligungen Ausschau halten will. Offizieller Sitz des Fonds ist Luxemburg, gearbeitet wird jedoch von den Standorten London und Berlin. „Aus unserer Sicht ist Berlin eine der spannendsten Städte für Start-ups und Investoren“, teilt das Management-Team des neuen Fonds auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer mit. „Dementsprechend lassen sich dort mehr und mehr Fintech-Start-ups aus der ganzen Welt mit großartigen Teams und Mitarbeitern nieder.“

Um den Status als Fintech-Hauptstadt konkurrieren eigentlich auch einige andere Städte. Hamburg kann etwa mit dem Schwergewicht Kreditech punkten und ist gerade in dieser Woche wieder Gastgeber der Fintech-Week mit zahlreichen Veranstaltungen quer durch die Stadt. Die traditionelle deutsche Banken-Hauptstadt Frankfurt hatte Anfang des Jahres ein großes Programm vorgestellt, um sich zum führenden Zentrum für Fintechs in ganz Europa zu entwickeln. Dafür will auch die hessische Landesregierung einige Millionen Euro in die Hand nehmen.

In beiden Regionen könnte der neue Fonds aber durchaus auch fündig werden: Ein Investment-Manager von Corviglia Capital soll sich ausschließlich um den deutschsprachigen Markt kümmern, heißt es gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.