Freunden kleine Geldbeträge per Smartphone überweisen? Das Start-up Cookies will der Idee hierzulande endlich zum Durchbruch verhelfen.Das Potenzial ist da, die Konkurrenz aber auch.

In den USA ist es schon ganz normal, dass sich Freunde per Smartphone Geld schicken. Allein über die inzwischen zu PayPal gehörende App Venmo wechseln monatlich eine Milliarde Dollar den Besitzer. „Wir wollen, dass auch in Deutschland jeder Geld so einfach verschicken kann wie eine E-Mail oder Textnachricht“, sagt Lamine Cheloufi, einer der beiden Gründer des Start-ups Cookies. Am kommenden Dienstag geht die App nun online, die schon zuvor einigen Hype erzeugt hat, weil StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani kräftig investiert hat.

Dabei ist die Idee auch hierzulande nicht neu. Mit Cringle und Lendstar bieten bereits zwei Unternehmen ähnliche Dienstleistungen wie Cookies an, doch der Durchbruch im Massenmarkt gelang beiden nicht. Dabei hat Lendstar sogar in der letzten „Höhle der Löwen“ 250 000 Euro und Unterstützung von Jochen Schweizer bekommen. Cringle sammelt derzeit Geld via Companisto, bislang kamen knapp 300 000 Euro zusammen. Avuba war mit dem Versuch eines Peer-to-Peer-Überweisungsdienstes auf dem Smartphone sogar gescheitert und versucht sich nun mit einer Art digitaler Kreditkarte.

„Es kommt nie darauf an, wer der erste war, sondern wer es richtig macht“, sagt Cheloufi. Die bisherigen Angebote seien zu umständlich. „Viele Menschen kennen beispielsweise ihre IBAN-Nummer nicht, bei uns braucht man die nicht“, sagt Mitgründer Garry Krugljakow.

Cookies soll auch sonst vor allem durch seine Einfachheit überzeugen. Dass sie solche Produkte im Finanzbereich entwickeln können, haben die beiden beim Vorzeige-Fintech Number26 gezeigt, wo sie zuvor gearbeitet haben. Cheloufi war dort Produktchef.

Cookies verspricht Deutschlands schnellste Überweisung

Für die App haben sie sich beispielsweise so genannte Paymojis ausgedacht: Die Bildchen können statt des Verwendungszwecks eingesetzt werden. Punkten will Cookies zudem mit Geschwindigkeit. „Wir bieten die schnellste Überweisung in Deutschland an“, behauptet Krugljakow. Die so genannte Super-Zahlung soll in wenigen Minuten ankommen. Wie es technisch funktionieren soll will er nicht verraten. In 90 Prozent der Fälle sei das Start-up schneller, als Eilüberweisungen, die Banken anbieten. „Allerdings hängt die Geschwindigkeit auch von der Hausbank des Empfängers ab“, sagt Krugljakow.

Die Superzahlungen bieten zudem die Option für eine künftige Monetarisierung des ansonsten erst einmal komplett kostenlosen Dienstes. Denn die Blitzüberweisungen sind limitiert. Zum Anfang kann man sich weitere verdienen, indem man beispielsweise Freunde für die Nutzung der App gewinnt.

Der Aufbau einer relevanten Nutzerzahl ist der Knackpunkt. Schließlich müssen sich sowohl der Geldgeber als auch der Empfänger bei den Berlinern registrieren, um den Service nutzen zu können.

Konkurrenz von Paypal und Facebook

Zumal etablierte Player mit einem vergleichbaren mobilen Überweisungservice das Angebot mittelfristig überflüssig machen könnten. So soll Paydirekt, der Paypal-Konkurrent der Banken, noch in diesem Jahr eine Peer-to-Peer-Bezahlfunktion namens Geldbote anbieten, mit der Geld zwischen Smartphones hin- und hergeschickt werden kann. Doch bei der Umsetzung hapert es wohl noch, zumal Paydirekt generell erst etwas mehr als 500 000 Nutzer gewinnen konnte.

Paypal selbst hingegen bietet so eine Funktion schon lange und auch Facebook experimentiert damit in den USA. Dort können sich Nutzer einfach Geld via Messenger senden. Doch auch das schreckt Cookies nicht. „US-Konzerne werden es auch aus Datenschutzgründen mit Finanzangeboten in Deutschland schwer haben“, entgegnet Krugljakow.

Steckbrief

Cookies

Gründer: Lamine Cheloufi (links) und Garry Krugljakow

Gründung: 2015

Sitz: Berlin

Mitarbeiter: 22

Finanzierung: 1,5 Millionen Euro kommen von Holtzbrinck Ventures und Business Angels wie StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani und Auxmoney-Chef Raffael Johnen