Das 2016 gegründete Start-up übernimmt das Geschäft der früher gestarteten Plattform Projectchamps. Die digitale Vermittlung von Beratern ist lukrativ – aber kompliziert.

Das Kölner Unternehmen Consultingheads, eine Plattform zur Vermittlung von selbstständigen Beratern an Unternehmen oder Beratungen, übernimmt das Geschäft des Münchener Konkurrenten Projectchamps. Bestehende Kundenbeziehungen und die Berater-Datenbanken werden auf die Kölner übertragen, die Marke Projectchamps wird verschwinden. Das erfuhr WirtschaftsWoche Gründer vorab.

Besucher der Projectchamps-Website werden seit dieser Woche auf die Consultingheads-Startseite umgeleitet. Zu den finanziellen Bedingungen der Übernahme gab es keine Angaben. Der Gründer von Projectchamps, Thomas Nugel, verlässt nach Angaben von Consultingheads das Unternehmen und ist jetzt wieder für ein großes Beratungshaus tätig. Weitere Mitarbeiter sollen nicht betroffen sein.

Strategischer Zukauf

Die Übernahme erfolgt aus strategischen Überlegungen. Consultingheads hat nach eigenen Angaben 2000 Berater in der Datenbank, viele davon sind aber auf der Suche nach einer Festanstellung – und wurden so über die im Frühjahr 2016 gestartete Seite an Konzerne oder Mittelständler vermittelt, die eine eigene kleine Beratungseinheit aufbauen wollten. Das 2015 gegründete Projectchamps setzte zuletzt wie andere Marktteilnehmer vor allem auf die Vermittlung von selbstständigen Consultants für Projekte von wenigen Wochen oder Monaten.

Mit der Übernahme will Consultingheads jetzt in beiden Feldern gut aufgestellt sein. „Die Nachfrage nach kurzfristiger Beratungsunterstützung durch qualifizierte Freelancer ist auf Unternehmensseite hoch“, sagt Ralf Fuhrmann, Geschäftsführer der Betreiberfirma von Consultingheads, Preplounge. „Diese können wir nun noch besser bedienen.“

Noch sind die beiden Berater-Datenbanken nicht bereinigt und zusammengeführt – das Kölner Start-up mit insgesamt acht Mitarbeitern vermutet jedoch, dass durch die Übernahme noch einmal bis zu 1000 Berater dazu kommen könnten. Damit wäre Consultingheads im Kampf der Berater-Plattformen wahrscheinlich an der Spitze, was die Größe der Angebotsseite angeht

Schwieriges Berater- und Beratungsgeschäft

Unterwegs im Markt ist noch das Berliner Start-up Comatch, gegründet von zwei ehemaligen McKinsey-Beratern. Die hatten im Frühjahr etwa 2300 registrierte Berater vermeldet. Aus Österreich kommt noch das Portal Klaiton, welches insbesondere Berater an Mittelständler vermitteln will. „Natürlich überschneiden sich da teilweise die Geschäftsbereiche“, sagt Daniel Schmitz, Chief Marketing Officer von Consultingheads, im Gespräch mit WiWo Gründer. „Aber es ist kein Problem, dass in diesem Bereich mehrere Teilnehmer unterwegs sind.“

Die Plattformen positionieren sich als Helfer im aktuell stark und stetig wachsenden Beratungsmarkt. Gerade durch die Digitalisierung sind viele Firmen auf der Suche nach Unterstützung von außen – haben aber oft nicht die Budgets, um die großen Beratungsfirmen zu beauftragen. Die Plattformen versprechen, in diesen Fällen gut ausgebildete freiberufliche Berater zu vermitteln. Zu den durchaus stattlichen Tagessätzen für die Berater kommt dann noch eine Provision für die Plattform. In dem überschaubaren und sensiblen Markt sind Kontakte und Reputation entscheidend. Mitbewerber Newcoventure musste wegen einer gescheiterten Finanzierungsrunde aufgeben.