Das Start-up Gini erleichtert Nutzern mit einer App Überweisungen und will lästigen Papierkram abschaffen. Nun beteiligt sich die Commerzbank.

Die Smartphone-App Gini Pay erspart das nervige Abtippen von Konto- oder IBAN-Nummern. Überweisungsträger können stattdessen einfach abfotografiert werden, zudem kann die App auch aus Rechnungen im PDF-Format Daten auslesen, für die Überweisung sind dann nur wenige Fingertipps nötig.

„Gini Pay ist eine sehr schöne Sache“, sagt auch Christian Hoppe, Geschäftsführer der Commerzbank-Tochter main incubator. Es gibt dabei nur einen Haken: Ausgerechnet Commerzbank-Kunden können die App nicht nutzen, da das Geldhaus als einzige große Bank die dabei genutzte technische Schnittstelle nicht unterstützt.

Gini steigt ins B2B-Geschäft ein

Doch im kommenden Jahr sollen auch Commerzbank-Kunden von den Technologien des Start-ups Gini profitieren. Über den main incubator beteiligt sich die Bank an dem 2011 gegründeten Unternehmen.

Die Commerzbank-Tochter führt eine Serie-A-Finanzierungsrunde an, an der sich auch die bisherigen Investoren wie T-Venture und Check24 beteiligen. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart.

Bislang hat Gini nach Angaben von Gründer Steffen Reitz etwas mehr als zwei Millionen Euro erhalten. Das Unternehmen erzielte im Vorjahr einen Umsatz von einer Million Euro, für 2014 ist eine ähnliche Summe angepeilt.

Das Münchener Start-up hat in diesem Jahr seinen Fokus geändert. Statt Apps für Endkunden zu entwickeln, konzentriert sich Gini auf das B2B-Geschäft mit Geschäftskunden.

„Unser Fokus liegt darauf, die Technologie in andere Apps einzubauen“, sagt Reitz. So wurden die Funktionen gerade in der App der ING-Diba aktiviert. „Im ersten Quartal werden weitere Banken Fotoüberweisungen integrieren“, sagt Reitz. Zudem solle es noch weitere neue Funktionen geben, „die man so bei Banking-Apps noch nicht kennt“.

Auf dem Weg zum papierlosen Büro

Für die Commerzbank waren die bestehenden Kooperationen mit anderen Banken kein Problem. „Wir haben in unseren Beteiligungsverträgen keine Exklusivitätsklauseln“, sagt Hoppe. „Für uns ist entscheidend, dass die Software gut ist und uns und unseren Kunden hilft“.

Wann es zu einer Integration komme ist noch unklar. Das Beispiel ING-Diba zeigt jedoch, wie lange es dauern kann: Von der Ankündigung im Februar bis zur Umsetzung verging fast ein Jahr.

Technologisch will Gini dabei weit mehr ermöglichen als die Vereinfachung von Überweisungen. Das Start-up analysiert und erkennt letztlich jede Art von Dokumenten und will so künftig den Traum vom papierlosen Büro möglich machen.

Wichtigster und größter Kunde ist dabei die Deutsche Post. Mit Hilfe der Gini-Technologie bietet sie Kunden im nächsten Jahr den so genannten E-Postscan an: Briefe werden gescannt und in digitaler Form zur Verfügung gestellt.

Die Digitalisierung von Unterlagen und ein intelligentes Dokumentenmanagement sind für viele Unternehmen interessant. „Die Banken haben inzwischen erkannt, dass fast alle Dokumente die man nach Hause bekommt, mit Zahlungsvorgängen verknüpft sind“, sagt Reitz.

Er arbeitet an Lösungen, um beispielsweise die Buchhaltung zu optimieren oder künftig die wichtigsten Unterlagen für die Steuererklärung direkt digital gebündelt anzubieten. Diese Fähigkeiten waren auch für den main incubator ein wichtiger Grund für das Investment. „Die Erkennungsraten und Fehlerquoten waren im Vergleich zu anderen Anbietern sehr gut“, sagt Hoppe.

120 Start-ups hat Hoppe mit seinem Team in diesem Jahr gesichtet. Gini ist das zweite Investment des im März gestarteten Commerzbank-Inkubators.

Die erste Beteiligung war die Zahlungsplattform Traxpay. Derzeit laufen bereits Verhandlungen mit einem weiteren Start-up. „Wenn alles gut geht, kommt im Januar oder Februar die nächste Beteiligung“, sagt Hoppe.