Nun hat auch Baden-Württemberg sein eigenes Start-up-Event. Bei Code_n suchen vor allem Industriekonzerne nach Partnern und Impulsen.

Normalerweise findet man in Museen mehr Vergangenheit als Zukunft. Und so wirkt es zunächst ungewöhnlich, dass Baden-Württembergs ambitionierteste Start-up-Veranstaltung ausgerechnet in einem Museum stattfindet. Doch das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe bietet mit seinen Installationen eine ideale Kulisse für eine Innovationskonferenz: Es gibt Varianten der Nofretete-Büste aus dem 3D-Drucker, vor den Toiletten flackern schwarz-weiße Bilder von Überwachungskameras, ein Roboterarm beschreibt Papier, die Inhalte liefert ein Algorithmus.

Dazwischen erzählte Dirk Ahlborn, Chef von Hyperloop Transportation Technologies, wie er Elon Musks Vision einer Hochgeschwindigkeitskapsel umsetzt, die die Menschen durch gigantische Röhren transportiert. Vor allem aber bietet das ZKM beim Code_n new:New Festival die Bühne für 52 Start-ups aus 11 Ländern. Auf vier großen Freitreppen präsentierten sich die Gründer aus den Bereichen Fintech, Connected Mobility, HealthTech und Photonics 4.0.

Bislang fehlte dem Ländle solch eine Veranstaltung. Daher kam auch Ministerpräsident Winfried Kretzschmann, um für mehr Gründergeist zu werben. In seiner Rede versprach er eine stärkere Förderung von Gründungen an Universitäten und „Glasfaser für alle“. Schon jetzt hätten Start-ups aus dem Südwesten nach fünf Jahren die höchste Überlebensquote. „Bei der Qualität sind wir Spitze, nun müssen wir bei der Quantität zulegen“, sagt Kretzschmann.

Macher Ulrich Dietz hat Code_n von der CeBiT in Hannover nach Karlsruhe geholt, um eine Alternative zum Konferenz-Trubel in der Hauptstadt zu bieten. „Es muss nicht immer alles in Berlin stattfinden“, sagte Dietz vorab. Und die örtliche Industrie nimmt das Angebot dankbar an.

„Wir müssen uns und unsere Industrie ändern“, sagt Peter Leibinger, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung beim Maschinenbauer Trumpf. Und dabei können solche Veranstaltungen helfen. „Wir erhoffen uns hier Impulse, um schneller und agiler zu werden“, sagt Leibinger.

„Das nächste Google wird nicht aus Deutschland kommen“

Code_n hatte es sich schon auf der CeBiT zum Ziel gesetzt, Start-ups und etablierte Industrie zusammenzubringen. Und so war auch hier das große Thema, wie beide miteinander kooperieren und voneinander lernen können. „Start-ups können Unternehmen helfen, da sie Probleme aus einem anderen Blickwinkel lösen“, sagte der Deutschland-Chef von Accenture Frank Riemensperger. Denn gerade jetzt geht es darum, wie die deutschen Leitindustrien Autobau, Medizintechnik oder Maschinenbau sich in der Digitalisierung aufstellen und welche Plattformen sich im B2B-Bereich etablieren.

„Das nächste Google wird nicht aus Deutschland kommen, im Konsumentengeschäft ist der Zug abgefahren“, sagt Riemensperger. Doch im Geschäft mit den Geschäftskunden hätten die deutschen Konzerne gute Chancen. Ähnlich sieht es auch Leibinger. Dennoch hat auch er die mögliche Gefahr durch neue, überraschende Herausforderer erkannt: „Wir müssen auf der Hut sein, sonst wird es ein Uber der Industrie geben, das sich zwischen uns und unseren Kunden setzt“.