Das Dresdener Start-up kooperiert mit dem Apple-Zulieferer Foxconn. Die Abwärme der Rechner soll zum Heizen von Gebäuden genutzt werden.

Bekannt ist Foxconn als Auftragsfertiger für Tech-Giganten wie Apple, Dell und Intel. Nun wird der Zulieferer auch für ein deutsches Start-up tätig: Cloud&Heat hat bei der Foxconn-Tochter TradeDX in Tschechien die Serienfertigung von mobilen Rechenzentren in Auftrag gegeben, wie das Dresdener Unternehmen heute mitteilte. Außerdem habe man eine „strategische Partnerschaft“ vereinbart.

Für Cloud&Heat ist das ein großer Schritt. Erst im vergangenen Jahr hatte das Start-up auf der Cebit sein Mikrorechenzentrum, das in einem 20-Fuß-Seefrachtcontainer untergebracht ist, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Nach ersten Bestellungen aus Norwegen und Japan sei die Nachfrage sprunghaft gestiegen, teilte Geschäftsführer Nicolas Röhrs WirtschaftsWoche Gründer mit: „Es gibt bereits in diesem Jahr über dreißig Vorbestellungen von weltweit operierenden Unternehmen.“ Genutzt würden diese etwa für Blockchain-Applikationen, künstliche Intelligenz und Anwendungen für das Internet der Dinge.

Nun sollen bei TradeDX jährlich bis zu 240 der Container produziert werden. Bisher seien Prototypen und Piloten von Cloud&Heat in Dresden und Radeberg gefertigt worden, so Röhrs. Künftig ist eine Arbeitsteilung vorgesehen: Foxconn fertigt die Basisinfrastruktur, während Cloud&Heat sich um die Einrichtung der Wasserkreisläufe kümmert.

Hohe Energieeffizienz

Die Grundidee ist, dass die Grafikkarten und Server mit Wasser gekühlt werden. Das erhitze Wasser wird dann zum Beheizen von Gebäuden oder zur Einspeisung ins öffentliche Wärmenetz genutzt. Die Technologie des Start-ups soll dabei eine konstante Temperatur ermöglichen. Die Nutzung der Abwärme soll für eine besonders hohe Energieeffizienz sorgen – und die laufenden Kosten für Betreiber geringhalten.

Das Dresdener Green-IT-Unternehmen war 2011 als AoTerra mit Serverschränken, die auch als Heizung dienen, gestartet. Inzwischen liegt der Fokus nicht mehr auf Privat-, sondern auf Unternehmenskunden. Neben den mobilen Rechenzentren konzipiert Cloud&Heat auch größere Rechenzentren. Einen großen Auftrag sicherte sich das Start-up etwa im Frankfurter Hochhaus Eurotheum. Auch Pilotprojekte mit Innogy gibt es. Zuletzt hat Cloud&Heat zur Cebit dieses Jahres den Markenauftritt modernisiert – und bietet vorerst nur eine englischsprachige Seite an.

Internationalisierung geplant

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 80 Mitarbeiter – 20 mehr als noch vor einem Jahr. Zu den Investoren gehört die EnBW-Tochter Verbundnetz Gas AG (VGN), die sich Ende 2016 an Cloud&Heat beteiligt hat. Im ersten Halbjahr 2017 kam Inven Capital – ein Beteiligungsunternehmen des tschechischen Energieversorgers CEZ – hinzu. Laut Röhrs laufen aktuell Gespräche für eine neue Finanzierungsrunde.

Nach eigenen Angaben plant das Start-up seine Umsätze in diesem Jahr gegenüber 2017 mehr als vervierfachen – dennoch stehen aktuell unter dem Strich noch rote Zahlen. „Dass daraus noch kein Gewinn resultiert, liegt daran, dass wir uns mit unseren Investoren für einen Wachstumskurs entschieden haben“, erklärt Röhrs. Aufgestockt würden sowohl Forschung und Entwicklung als auch Vertrieb und Marketing. Auch die Internationalisierung soll vorangetrieben werden: So sei für die kommenden Jahre die Gründung von Tochterunternehmen in Asien und in den USA geplant.