Das Start-up aus Dresden hat sowohl Innogy, als auch eine EnBW-Tochter von sich überzeugt. Die Wachstumschancen sind groß.

Energieriese trifft Start-up: Neugierig hat Innogy-Chef Peter Terium auf der Cebit das neue Mikrorechenzentrum von Cloud & Heat begutachtet. Es vereint mehrere Serverschränke in einem Seefrachtcontainer. Die Stippvisite am Montag war kein Zufall – der Versorger setzt beim Aufbau eigener Cloudangebote neuerdings auf das Know-how des Dresdener Unternehmens. Cloud & Heat ist auf wassergekühlte Rechenzentren spezialisiert, die besonders energieeffizient sind. Die Abwärme wird zudem für das Beheizen von Gebäuden genutzt.

„Wir statten bei Innogy zunächst drei Standorte in Rheinland-Pfalz mit unserer Technik aus“, kündigt Geschäftsführer Nicolas Röhrs an. Die Server sollen per Glasfaserkabel miteinander vernetzt und per Software zu einer Datenwolke verbunden werden. Der Internetanbieter Innogy Telnet will damit laut Röhrs neue Cloudangebote realisieren. Nebenbei würden Bürogebäude von Innogy sowie potenziell auch ein Schwimmbad mit Wärme versorgt. Das 2011 als AoTerra gegründete Start-up setzt große Hoffnungen in den Auftraggeber: „Wir gehen davon aus, dass wir die Kapazitäten schnell hochfahren können“, sagt Röhrs.

Wachsende Serverfarmen

Die RWE-Tochter ist indes nicht der einzige Versorger, der auf die Technik der Dresdener aufmerksam geworden ist. Der RWE-Konkurrent EnBW ist seit Ende des Jahres sogar an Cloud & Heat beteiligt – über die Tochtergesellschaft Verbundnetz Gas AG (VNG). Der Leipziger Erdgaslieferant möchte die Technik nutzen, um seine „hochsichere und hochverfügbare Rechenzentrumsinfrastruktur optimal zu vermarkten“, erklärte VNG-Technikvorstand Hans-Joachim Polk im Dezember. Eine Vorlage für die Investition lieferte 2015 Eneco: Der niederländische Versorger beteiligte sich am Start-up Nerdalize, das ebenfalls den Heizungs- und Cloudmarkt miteinander kombiniert.

Energieeffiziente Rechenzentren sind gefragt in Deutschland. Getrieben von dem Trend zum Cloud-Computing wachsen Jahr für Jahr die Serverkapazitäten. Entsprechend hoch ist der Strombedarf: Laut Erhebungen des Berliner Borderstep Instituts benötigten die 50.000 Rechenzentren im vergangenen Jahr 12,4 Milliarden Kilowattstunden an Strom. Gegenüber 2015 ist das eine Zunahme um 4,2 Prozent. „Weil die Strompreise in Deutschland vergleichsweise hoch sind, lohnen sich Effizienztechnologien hier besonders“, sagt Ralph Hintemann, Rechenzentrumsexperte der gemeinnützigen Forschungseinrichtung.