Das Züricher Start-up baut Anlagen, die CO2 aus der Umgebungsluft filtern. Das Gas kann zum Beispiel als Dünger in Gewächshäusern verwendet werden.

Die Anlagen, mit denen Jan Wurzbacher und Christoph Gebald das Weltklima retten wollen, sehen gewöhnungsbedürftig aus. Aus Reihen von eckigen Feldern ragen Zylinder heraus, die an Ventilatoren erinnern. Herausgepustet wird hier nichts, im Gegenteil: Die Rotoren saugen Luft an. Sie wird im Inneren durch einen Filter geleitet – der das CO2 chemisch bindet. Die so gereinigte Luft strömt auf der anderen Seite wieder heraus.

„Direct Air Capturing“ nennen die beiden aus Deutschland stammenden Ingenieure, die zusammen an der ETH Zürich studiert haben, ihre Technologie. Ihr Ziel: Ein Prozent der globalen CO2-Emissionionen will das Start-up bis zum Jahr 2025 aus der Luft filtern – und so dazu beitragen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Das in den Filtern gesammelte CO2 kann eingelagert oder für bestimmte Branchen weiterverwendet werden.

Um die Technologie zu kommerzialisieren, haben Wurzbacher und Gebald 2009 das Unternehmen Climeworks gegründet. Neun der Filteranlagen hat das Start-up seither gebaut. Nun melden die Gründer einen neuen Meilenstein: In einer Finanzierungsrunde haben sie von einem Konsortium aus bestehenden und neuen Privatinvestoren sowie der Zürcher Kantonalbank umgerechnet 26,8 Millionen Euro bekommen. Fördermittel einberechnet, belaufen sich die Gesamtinvestitionen in das Unternehmen nun auf über 43 Millionen Euro.

Gewächshaus als Abnehmer

Das frische Kapital will Climeworks nutzen, um eine Massenproduktion seiner Kollektoren vorzubereiten und so die Kosten deutlich zu senken. Dazu soll auch das aktuell 60 Mitarbeiter große Team aufgestockt werden. „Mit diesem neuen Investment ist Climeworks gut positioniert. Es bildet eine starke Basis für weiteres Wachstum“, sagt Wurzbacher.

Dass sich mit den Filteranlagen Einnahmen generieren lassen, hat Climeworks bereits unter Beweis gestellt. Im Mai 2017 hat das Start-up in der zum Kanton Zürich gelegenen Gemeinde Hinwil eine erste kommerzielle Anlage installiert. Das dort gefilterte CO2 verkauft Climeworks an einen Gewächshaus-Betreiber – quasi als Pflanzendünger. Für die Produktion wird die Abwärme einer Müllverbrennungsanlage genutzt.

Umwandlung in Kraftstoffe

Potenzial sehen die Gründer indes auch in anderen Branchen. So könnte das gesammelte Gas von Herstellern sprudelnder Getränke verwendet werden. Technisch möglich ist es auch, das CO2 in sogenannten Power-to-X-Anlagen mit Wasserstoff zu kombinieren, um Methan zu gewinnen – und daraus dann Kraftstoffe oder Basischemikalien herzustellen. An entsprechenden Forschungsprojekten ist Climeworks bereits beteiligt. Noch sind die Verfahren aber zu teuer, als dass die so gewonnen Produkte mit erdgas- oder erdölbasierten Stoffen konkurrieren könnten.

Climeworks ist indes nicht das einzige Unternehmen, das daran arbeitet, CO2 aus der Luft zu filtern. Zu den größten Wettbewerbern gehört Carbon Engineering. Das 2009 in Kanada gegründete Unternehmen hat kürzlich eine Finanzierungsrunde in Höhe von elf Millionen US-Dollar abgeschlossen. Unter den Geldgebern dort ist Microsoft-Gründer Bill Gates.