Der Gründer von Book A Tiger spricht im Interview über den Reiz des Neuen und das veränderte Geschäftskonzept seines Start-ups nach dem ARD-Fiasko.

Claude Ritter hat bereits sieben Start-ups aus der Taufe gehoben – zuletzt den Online-Service Lieferheld und die Reinigungsvermittlung Book A Tiger. Was er daraus gelernt hat, gibt er gerne an junge Gründer weiter, so zum Beispiel beim Start-up Camp in Berlin am vergangenen Wochenende. WiWo Gründer hat den 35-Jährigen dort getroffen und mit ihm über den Reiz und die Schwierigkeiten des Gründens gesprochen.

Von Elisa von Hof

Herr Ritter, sie sind Seriengründer – was sollten junge Unternehmer unbedingt wissen?
Dass man nicht alles selber machen kann und deswegen gute Leute braucht – und zwar solche, auf die du dich verlassen kannst, sonst schläfst du schlecht. Diese zu finden, ist das A und O. Manchmal sagen Gründer zu mir, dass sie kein Geld haben, um diese guten Leute zu bezahlen. Das ist für mich ein Indikator dafür, dass die Person vielleicht lieber nicht gründen sollte, denn du solltest jemanden so für deine Idee und dein Team begeistern, dass das Gehalt für denjenigen nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Welche Kompetenzen braucht so ein Team?
Das kommt auch darauf an, welche Kompetenzen du selbst mitbringst. Ich bin Programmierer, also brauche ich jemanden, der sich mit Finanzen auskennt. Als wir bei Lieferheld angefangen haben, war ich ein schlechter Networker. Jetzt geht es etwas besser, aber im Team brauchst du eine Networking-Maschine. Es ist also wichtig, dass du komplementäre Fähigkeiten sammelst, denn wenn sich die Kompetenzen zu sehr überschneiden, gibt es Konflikte.

Worauf achten Sie, wenn Sie in ein Start-up investieren?
Die Idee muss Sinn machen. Ich mag einfache Sachen, zum Beispiel wenn jemand sagt: „30.000 Schiffscontainer gehen jedes Jahr verloren, wir lösen dieses Problem.“ Dann ist das für mich logisch. Ich mag solche konkreten Ideen. Und du solltest dich in dem Bereich, in dem du gründest, auskennen.

Zum Beispiel?
Wenn du eine Software für Zahnärzte entwickeln willst, solltest du Zahnarzt sein. Denn wenn du das Metier mit seinen Problemen und Herausforderungen nicht verstanden hast, wird dein Start-up nicht funktionieren. Wenn du im B-2-C Bereich gründest, ist es noch etwas anderes – wie bei uns mit Lieferheld. Das ist ein großer Markt, schließlich isst jeder. Also kannst du dich ausprobieren und auch mal etwas falsch machen. Wenn du dort 100 schlechte Rückmeldungen von Kunden bekommst, kannst du es wieder ausgleichen. Wenn aber 100 Zahnärzte dich schlecht bewerten, hast du ein Problem, denn die kennen sich und reden miteinander.

Kannten Sie sich vor Gründung von Lieferheld mit Lieferdiensten und Restaurants aus?
Nein, wir hatten keine Ahnung. Deshalb haben wir uns mehrere Tage in einen Thai-Imbiss in Berlin gesetzt und zugeschaut. Wie oft kommt der Lieferdienst? Wie viele Fahrer gibt’s? Wie viele Menus kann er auf einmal transportieren? Das haben wir alles aufgeschrieben.

Wie läuft das bei Ihrem aktuellen Start-up, Book A Tiger?
Wir haben bewusst geschaut wie wir selbst putzen und was wir benutzen. Außerdem haben wir mit Reinigungskräften gesprochen und gefragt, worauf Kunden achten. Aber genau wie bei Lieferheld gibt es hier einen großen Markt, denn jeder mag eine saubere Wohnung. Potenziell kannst du es dir also auch mit ein paar Kunden verscherzen, auch wenn du das natürlich nicht anstrebst.