Christian Vollmann (links) hat mit Till Bethke Nebenan.de gegründet, ein Netzwerk für Nachbarn. Im Interview spricht er über die Unterschiede zu Facebook und das jüngste Investment des Burda-Verlags.

WirtschaftsWoche: Herr Vollmann, herzlichen Glückwunsch – Ihr Portal Nebenan.de hat bei einer Finanzierungsrunde 5,5 Millionen Euro eingesammelt, unter anderem vom Burda-Verlag. Was ist mit dem Geld geplant?

Christian Vollmann: Wir bauen die Plattform in Deutschland aus und machen eventuell auch erste Schritte Richtung Internationalisierung. Nebenan.de ist ja kostenlos und soll es auch bleiben. Wir haben auch keine Werbung und wollen die Plattform erst später mit lokalen Gewerbetreibenden monetarisieren. Das Investment ist daher sehr wichtig, so lange wir keine Einnahmen haben – und wird auch nicht das Letzte gewesen sein.

Bei Facebook gibt es Gruppen und Seiten zu vielen Städten und Bezirken. Wofür braucht man Ihr Portal dann noch?

Bei Facebook geht es im Kern darum, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die man schon kennt. Wir vernetzen dagegen Menschen in der Nachbarschaft, denn in vielen Städten kennt kaum noch jemand seine Nachbarn. Das wollen wir ändern. Zudem kann man sich in einer Facebook-Gruppe nicht sicher sein, dass die Leute wirklich alle in der Gegend wohnen. Bei nebenan.de gibt es dagegen nur verifizierte Adressen.

Ist die Gefahr wirklich so groß, dass sich Fremde in Nachbarschafts-Gruppen schmuggeln?

Es geht um die Wahrnehmung und darum, sicher zu sein, dass dort wirklich meine Nachbarn sind. Viele Menschen würden jedenfalls nicht in einer Facebook-Gruppe veröffentlichen, dass sie in den Urlaub fahren und fragen, wer sich um die Katze oder Pflanzen kümmern kann.

Wie viele Städte und Nutzer sind schon dabei?

Wir sind jetzt in 30 deutschen Städten mit 900 Nachbarschaften aktiv und die Nutzerzahl ist inzwischen sechsstellig.

Das Netzwerk bringt aber nur Mehrwert, wenn genug Nachbarn dabei sind. Wie lösen Sie das Henne-Ei-Problem?

Das Geheimnis liegt darin, das Marketing regional ganz stark zu fokussieren. Wir wollen nicht so schnell wie möglich viele Nachbarschaften mit wenigen Nutzern erreichen, sondern lokal eine kritische Masse. Und wir schalten erst neue Nachbarschaften frei, wenn es mehr als zehn Mitglieder gibt.

In den USA sind Nachbarschaftsnetzwerke wie Nextdoor schon sehr erfolgreich, was fehlt in Deutschland noch zum Durchbruch?

Das ist eine Frage der Zeit. Wir sind ja erst im Dezember gestartet, das US-Netzwerk gibt es dagegen schon fünf Jahre. Bei den Zahlen sind wir sogar deutlich weiter als Nextdoor im ersten halben Jahr war.