Christian Schoenberger saß im Gefängnis, weil er hunderte Kunden mit seinen Onlineshops Stardrinx und Welovedrinks betrogen haben soll. Jetzt ist er zurück im Geschäft und kämpft um seinen Ruf.

Christian Lutz Schoenberger plant sein Comeback als Internet-Unternehmer. Das hat WiWo Gründer nach mehreren Telefonaten mit dem 30-jährigen Hamburger exklusiv erfahren. Schoenberger startet heute eine neue Webseite, um die Kunden seiner Vermarktungsagentur „Schoen-Gesehen Digital Experts Agency“ zu präsentieren. Darunter sind namhafte Unternehmen wie die Handelskonzerne Metro und Otto.
// (Update am 14. Februar: Auf der Webseite wurden die Namen von Kunden entfernt.)

Außerdem hat Schoenberger mehrere Domains gekauft, um neue Online-Plattformen zu starten. Auf denen will er demnächst Preisvergleiche für Mode, Getränke und Bio-Produkte anbieten und Besucher direkt auf Onlineshops von Amazon, About You (Otto) oder den Getränkeversand Rum & Co weiterleiten („Affiliate-Marketing“).

„Momentan arbeite ich noch im Hintergrund, aber ich möchte wieder an die Öffentlichkeit“, sagt Schoenberger. „Ich will meinen Ruf wiederherstellen.“

Wer den schlechten Ruf des Hamburgers hören will, braucht nur seinen Namen zu googlen. Dort finden sich Schlagzeilen, die von Untersuchungshaft, Kundenbetrug und Abzocke handeln. Aktuell laufen zwei Verfahren gegen Christian Schoenberger wegen gewerbsmäßigen Betrugs.

1. Verfahren: Stardrinx, Champagner und Groupon

Unter dem Aktenzeichen Kls 612 3/13 beschuldigt die Staatsanwaltschaft Hamburg Christian Schoenberger, 124 Kunden betrogen zu haben. Das erfuhr WiWo Gründer im Gespräch mit Kai Wantzen, dem Sprecher des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Die Klage stammt aus dem Jahr 2012, damals betrieb Schoenberger den Online-Getränkeversand stardrinx.de. Über das Schnäppchenportal Groupon bestellten Tausende Kunden Gutscheine für günstigen Champagner bei Stardrinx.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schoenberger vor, das Geld kassiert zu haben, ohne die Ware zu versenden. Schon im Juli 2012 verteidigte sich Schoenberger in einem Interview mit der WirtschaftsWoche und beteuerte, die Ware nur zurückgehalten zu haben, weil Groupon ihm keine Vorauszahlung geleistet hatte. Ein Betrüger sei er deshalb nicht.

Nach fast fünf Jahren ist in diesem Verfahren immer noch kein Urteil gesprochen. „Wir müssen nicht drumherum reden: Es ist nicht optimal, dass es so lange dauert“, sagt Gerichtssprecher Kai Wantzen. Bis heute betrieben die Ermittler „einen Riesenaufwand, um herauszufinden, ob die Vorwürfe zutreffen“.

Der ehemalige Stardrinx-Chef Schoenberger beteuert im Gespräch mit WiWo Gründer, er habe allen Kunden entweder das Geld zurückbezahlt oder die versprochene Ware ausgeliefert. Sein Anwalt, der renommierte Hamburger Strafrechtler Robert John, gehe davon aus, dass das Verfahren eingestellt werde. Auf die Frage, was da noch kommt, antwortet Kai Wantzen vom Landesgericht: „Strafsachen erledigen sich nicht einfach durch abgelaufene Zeit.“ Noch sei die Sache nicht verjährt. Er könne aber nicht genau sagen, wann es zur Hauptverhandlung im Landgericht Hamburg kommen wird.

Schoenberger selbst scheint die Gründung von Stardrinx zu bereuen – auch finanziell. „Stardrinx hat mich arm gemacht“, sagt er. Vorher habe er mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr mit einer Werbeagentur verdient, zu seinen Kunden gehörten der Autovermieter Sixt und Hamburger Restaurants. Aber am 13. September 2012 machte die Polizei eine Razzia in seiner Agentur und beschlagnahmte Wertgegenstände und Vermögenswerte in Millionenhöhe.

Insgesamt habe er bis heute sechsstellige Summe an Verfahrenskosten bezahlt, sagt Schoenberger.

2. Das Verfahren wegen Welovedrinks.de und die U-Haft

Beim Amtsgericht Hamburg läuft seit dem Jahr 2015 ein Verfahren gegen Christian Schoenberger unter dem Aktenzeichen 240a Ls 56/16. Der Vorwurf ist ähnlich wie bei dem Stardrinx-Verfahren: Schoenberger, der 2015 einen Getränkeversand unter der Adresse WeloveDrinks.de betrieb, soll Kunden die im Voraus bezahlten Getränke nicht geliefert haben. „In der Anklageschrift sind 110 Kunden aufgeführt, die Ware bestellt und nicht bekommen haben sollen“, sagt Kai Wantzen, Sprecher des Hamburger Landgerichts.

Weil Schoenberger auch hier sagt, dass er die Ware im Nachhinein zugestellt hat, gibt es noch kein Urteil und keinen Termin für eine Hauptverhandlung. „Die Angaben des Angeklagten machen Nachermittlungen der Staatsanwaltschaft erforderlich“, sagt Wantzen. Die Akte liegt jetzt bei der Polizei Hamburg.

WiWo Gründer liegen die Anklagen und der Abschlussbericht des LKA Hamburg vor. Insgesamt geht es um Bestellungen im Gesamtwert von 10.992,14 Euro. Der größte Teil davon ist eine Sammelbeschwerde des schwedischen Unternehmens Klarna, das Schoenberger für seinen Onlineshop als Zahlungsdienstleister eingesetzt hatte. Schoenberger selbst sagt, er hätte sich mit Klarna „gestritten“, daher hätte es Unregelmäßigkeiten bei dem Versand der Bestellungen gegeben. Die beklagten Bestellungen hätten aber nur einem Prozent des Umsatzvolumens von welovedrinks entsprochen.

Bis heute habe er alle Kunden entschädigt, sagt Schoenberger. Wütenden Kunden bietet Schoenberger unter einem Artikel auf dem Onlineportal internetworld.de an, sich direkt bei ihm zu melden. Bei WiWo Gründer hat sich nach Erscheinen dieses Artikels ein früherer Kunde gemeldet. Er schreibt in einer Mail, dass er Schoenberger „seine Angaben nicht abnimmt“.

Am 28. Januar 2016 kam Christian Schoenberger in U-Haft in die Untersuchungshaftanstalt Hamburg, dort blieb er für viereinhalb Monate. Warum musste er ins Gefängnis?

Schoenberger erklärt: „Ich bin Weihnachten 2015 von Hamburg nach Schleswig-Holstein umgezogen. Weil ich mich nicht umgemeldet hatte, kamen die Schreiben der Staatsanwaltschaft nicht bei mir an. Dann wurde ein Haftbefehl gegen mich erlassen, weil ich trotz der laufenden Verfahren keinen festen Wohnsitz hatte.“ Mit anderen Worten: Der Haftgrund war vermutlich Fluchtgefahr. Er habe Fehler gemacht, sagt Schoenberger heute, aber eine Sache sei ihm wichtig: „Ich habe niemals einen Menschen betrogen.“

Kommt es zu einer Verurteilung, drohen Schoenberger sechs Monate bis zehn Jahre pro angeklagten Fall. Eine Bewährung ist nur bei einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren möglich.

Schoenbergers Neustart und der Kampf ums Image

Schon eine Woche nach der Haftentlassung habe er wieder angefangen zu arbeiten, sagt Schoenberger. Allein im Dezember 2016 habe er 15.000 Euro damit verdient, Webseiten für Unternehmen zu bauen und Produkteinführungen zu übernehmen.

Jetzt will Schoenberger unter den Domains bio.de.com, fashion.de.com und drinks.de.com neue Online-Portale schalten, um günstige Produkte zu vermitteln. Neben seiner Erfahrung als Internet-Unternehmer – nach eigenen Angaben hat Schoenberger rund 600 Webseiten programmiert – kann der 30-jährige Hamburger dabei vor allem auf seine Kunden-Datenbank vertrauen: Aus seinen bisherigen Unternehmen hat er die Adressen von etwa 900.000 Kunden, die zu seinen etwa 40 Onlineshops gehörten, die er innerhalb der vergangenen 15 Jahre aufgebaut hat. „Ich wäre ja dumm, wenn ich die nicht nutzen würde“, sagt Schoenberger.

Nur eine Sache werde er bei seinem geschäftlichen Comeback nicht mehr machen: „Ich werde keine Ware mehr selbst verkaufen“, sagt Schoenberger.

Allerdings hält ihn seine Vergangenheit davon ab, richtig große Geschäfte zu machen. „Die Hälfte meiner Aufträge klappen nicht, weil die Leute glauben, dass ich ein Verbrecher bin“, sagt Schoenberger. „Mein Ruf ist ruiniert.“ Früher hätte er eine Kreditlinie von 1,5 Millionen Euro bekommen, heute bekomme er nicht mal mehr eine Dose Cola auf Rechnung. „Ich bin das schwarze Schaf der deutschen Gründerszene.“

Dagegen will er jetzt selbst juristisch vorgehen: „Ich werde jeden einzelnen Beitrag im Internet zur Strafanzeige bringen, in dem ich beleidigt oder als Betrüger dargestellt werde.“ Konkret werde er unter anderem gegen Artikel des Start-up-Portals Gründerszene und gegen Forenbeiträge auf der Shopping-Plattform mydealz Anzeige erstatten.

Dass er es ernst meint mit der Rückkehr in die Öffentlichkeit, beweist Christian Schoenbeger schon in dieser Woche: Am Donnerstag wird er bei einem Start-up-Wettbewerb in Hamburg seine Idee eines Kaffeebechers aus kompostierbarem Papier vorstellen.