Weil Schoenberger auch hier sagt, dass er die Ware im Nachhinein zugestellt hat, gibt es noch kein Urteil und keinen Termin für eine Hauptverhandlung. „Die Angaben des Angeklagten machen Nachermittlungen der Staatsanwaltschaft erforderlich“, sagt Wantzen. Die Akte liegt jetzt bei der Polizei Hamburg.

WiWo Gründer liegen die Anklagen und der Abschlussbericht des LKA Hamburg vor. Insgesamt geht es um Bestellungen im Gesamtwert von 10.992,14 Euro. Der größte Teil davon ist eine Sammelbeschwerde des schwedischen Unternehmens Klarna, das Schoenberger für seinen Onlineshop als Zahlungsdienstleister eingesetzt hatte. Schoenberger selbst sagt, er hätte sich mit Klarna „gestritten“, daher hätte es Unregelmäßigkeiten bei dem Versand der Bestellungen gegeben. Die beklagten Bestellungen hätten aber nur einem Prozent des Umsatzvolumens von welovedrinks entsprochen.

Bis heute habe er alle Kunden entschädigt, sagt Schoenberger. Wütenden Kunden bietet Schoenberger unter einem Artikel auf dem Onlineportal internetworld.de an, sich direkt bei ihm zu melden. Bei WiWo Gründer hat sich nach Erscheinen dieses Artikels ein früherer Kunde gemeldet. Er schreibt in einer Mail, dass er Schoenberger „seine Angaben nicht abnimmt“.

Am 28. Januar 2016 kam Christian Schoenberger in U-Haft in die Untersuchungshaftanstalt Hamburg, dort blieb er für viereinhalb Monate. Warum musste er ins Gefängnis?

Schoenberger erklärt: „Ich bin Weihnachten 2015 von Hamburg nach Schleswig-Holstein umgezogen. Weil ich mich nicht umgemeldet hatte, kamen die Schreiben der Staatsanwaltschaft nicht bei mir an. Dann wurde ein Haftbefehl gegen mich erlassen, weil ich trotz der laufenden Verfahren keinen festen Wohnsitz hatte.“ Mit anderen Worten: Der Haftgrund war vermutlich Fluchtgefahr. Er habe Fehler gemacht, sagt Schoenberger heute, aber eine Sache sei ihm wichtig: „Ich habe niemals einen Menschen betrogen.“

Kommt es zu einer Verurteilung, drohen Schoenberger sechs Monate bis zehn Jahre pro angeklagten Fall. Eine Bewährung ist nur bei einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren möglich.

Schoenbergers Neustart und der Kampf ums Image

Schon eine Woche nach der Haftentlassung habe er wieder angefangen zu arbeiten, sagt Schoenberger. Allein im Dezember 2016 habe er 15.000 Euro damit verdient, Webseiten für Unternehmen zu bauen und Produkteinführungen zu übernehmen.

Jetzt will Schoenberger unter den Domains bio.de.com, fashion.de.com und drinks.de.com neue Online-Portale schalten, um günstige Produkte zu vermitteln. Neben seiner Erfahrung als Internet-Unternehmer – nach eigenen Angaben hat Schoenberger rund 600 Webseiten programmiert – kann der 30-jährige Hamburger dabei vor allem auf seine Kunden-Datenbank vertrauen: Aus seinen bisherigen Unternehmen hat er die Adressen von etwa 900.000 Kunden, die zu seinen etwa 40 Onlineshops gehörten, die er innerhalb der vergangenen 15 Jahre aufgebaut hat. „Ich wäre ja dumm, wenn ich die nicht nutzen würde“, sagt Schoenberger.

Nur eine Sache werde er bei seinem geschäftlichen Comeback nicht mehr machen: „Ich werde keine Ware mehr selbst verkaufen“, sagt Schoenberger.

Allerdings hält ihn seine Vergangenheit davon ab, richtig große Geschäfte zu machen. „Die Hälfte meiner Aufträge klappen nicht, weil die Leute glauben, dass ich ein Verbrecher bin“, sagt Schoenberger. „Mein Ruf ist ruiniert.“ Früher hätte er eine Kreditlinie von 1,5 Millionen Euro bekommen, heute bekomme er nicht mal mehr eine Dose Cola auf Rechnung. „Ich bin das schwarze Schaf der deutschen Gründerszene.“

Dagegen will er jetzt selbst juristisch vorgehen: „Ich werde jeden einzelnen Beitrag im Internet zur Strafanzeige bringen, in dem ich beleidigt oder als Betrüger dargestellt werde.“ Konkret werde er unter anderem gegen Artikel des Start-up-Portals Gründerszene und gegen Forenbeiträge auf der Shopping-Plattform mydealz Anzeige erstatten.

Dass er es ernst meint mit der Rückkehr in die Öffentlichkeit, beweist Christian Schoenbeger schon in dieser Woche: Am Donnerstag wird er bei einem Start-up-Wettbewerb in Hamburg seine Idee eines Kaffeebechers aus kompostierbarem Papier vorstellen.