Investoren suchen ist nur ein möglicher Weg. Christian Häfner setzt auf Bootstrapping. Warum der Weg ohne Venture Capital sinnvoll sein kann.

Von Julian Heck

Nicht nur “Die Höhle der Löwen” zeichnet das Bild, dass alle Start-ups auf der Suche nach dem großen Investoren-Geld sind. Auch viele junge Unternehmen setzen auf das Geld von außen. Dabei geht es auch anders:  mit Bootstrapping zum Beispiel. Darunter versteht man das Wachstum aus eigenen Mitteln heraus. Diesen Weg geht Christian Häfner mit seinen Unternehmen. WirtschaftsWoche Gründer hat mit ihm darüber gesprochen, warum Bootstrapping für Start-ups attraktiv sein kann und wie er es geschafft hat, mit FastBill ein erfolgreiches Start-up aufzubauen – ohne das Geld von Investoren.

Herr Häfner, ist Bootstrapping bloß ein hipper Begriff, mit dem sich Start-ups schmücken, die keine Investoren finden?
Ich glaube tatsächlich, dass die wenigsten Start-ups von vorne herein auf Bootstrapping setzen, sondern die Einsicht beziehungsweise die bewusste Entscheidung zum Bootstrapping erst später kommt. Zu attraktiv klingt die Idee von viel Geld und maximalem Handlungsspielraum. Wer will das nicht? Allerdings ist Bootstrapping auch nicht der Weg der „Verlierer“. Es kann durchaus Sinn machen, eine Firma auch ohne Venture Capital aufzubauen. Der Weg ist dann eben ein anderer, aber nicht zwingend ein schlechter. Interessant ist an dieser Stelle immer zu erfahren, warum ein VC zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht einsteigen wollte.

Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
Es gibt verschiedene Punkte, an denen man ansetzen kann. War es zu früh? Ist der Markt nicht klar genug oder bereits gesättigt? Ist die Idee noch nicht ausgereift oder das Team schlecht? Gründe kann es viele geben. Aber diese schließen ein VC Investment nicht zwingend aus. Manchmal passt es nur zum aktuellen Zeitpunkt unter den gegebenen Umständen nicht. Unternehmen wie Freshbooks aus Toronto oder Jimdo aus Hamburg haben ihre erste Finanzierungsrunde erst nach sieben oder mehr Jahren erfolgreichem Bootstrapping aufgenommen. Wenn der Weg bis dahin also auch ohne geht, dann geht es auch ohne.

Warum entscheiden sich einige Start-ups freiwillig dafür, aus eigenen Mitteln heraus zu wachsen?
Es ist immer attraktiver, das Geschäft selbst in der Hand zu halten. Schließlich hat es auch etwas Gutes, wenn man selbst derjenige ist, dem man es recht machen muss, nicht dem Investor. Der Investor kann außerdem andere Interessen verfolgen als der Gründer, zum Beispiel Wertmaximierung versus schöne Arbeitsumgebung. Hier muss man sich am Ende im Klaren darüber sein, was man denn will. Ein richtig oder falsch gibt es nicht. Wer sich gegen einen Investor entscheidet, entscheidet sich in der Regel für den eigenen Weg.

So, wie Sie es mit Ihrem Unternehmen getan haben.
Genau. Bei FastBill legen wir zum Beispiel viel Wert auf ein gesundes, organisches Wachstum, bei dem wir versuchen, Geld nur dann ausgeben, wenn wir dadurch mehr Umsatz erzeugen können. Es wäre schwer, von heute auf morgen ein Millionen-Budget sinnvoll – also ohne es zu verbrennen – auszugeben. Ein Invest würde also in unserem Fall nur dann Sinn machen, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind, etwa durch Skalierung im Ausland oder im Sales. Deshalb prüfen wir regelmäßig die Möglichkeiten, mit Geld zu skalieren. Ein Invest ist daher für uns nach wie vor nicht ausgeschlossen.